Sakrales und Säkulares friedlich vereint

satire.gif»Jeder sucht sich aus der Bibel das heraus, was für den jeweiligen Sonntag gerade passt«,

sagte Helmut Schmidt einmal im Deutschen Bundestag. Das stimmt nicht nur bezüglich der Politik, auch die Wissenschaftler verstehen es sehr gut, das Forschungsergebnis zu präsentieren, was gerade passt.

Dass viele Menschen zu dick sind, ist unstrittig. Die Nahrungs- und Genussmittelindustrie hat ein Milliardengeschäft mit den »Light« und »Bio« Etiketten aufgebaut, und viele glauben schlicht und einfach, was die Werbung ihnen suggeriert: »Kauf mich, und du wirst automatisch schlank / gesund«.

Leichtgläubigkeit als Ursache der Volksverdickung – könnte man daraus ableiten. Schützt Intelligenz beziehungsweise Bildung vor den überzähligen Pfunden? Dem Vernehmen nach sind ja überwiegend die weniger gebildeten Menschen zu fett:

Bildung und Wissen wirken sich laut Studie auch auf das Ernährungsverhalten aus. So seien 70 Prozent der Befragten mit Hauptschlussabschluss übergewichtig gewesen, erklärte Seehofer. In der Gruppe der Teilnehmer mit Abitur oder Fachhochschulabschluss waren es dagegen nur rund 50 Prozent. Außerdem sinke mit steigendem Pro-Kopf-Einkommen der Anteil der Fettleibigen.
(Quelle: Die Welt)

Man kann daraus also tatsächlich schließen, dass Bildungsmangel dick macht, weil die weniger Gebildeten die Marketingstrategien nicht hinterfragen und den Webeversprechen glauben, dass sie mit »low fat« oder »sugar free« zu ranken und schlanken Menschen werden. Sie kaufen Pepsi Light und Cola Zero, womöglich Joghurt ohne Zucker und werden immer dicker. Nun hat eine Studie offenbart, warum das so ist:

Die Forscher glauben, dass Süßstoff zu Problemen bei der Kontrolle der Kalorienaufnahme führt, weil die Verbindung zwischen der Empfindung von Süßigkeit und Nahrung mit vielen Kalorien gestört wird. Möglicherweise sei das auch eine Erklärung dafür, dass die Fettleibigkeit seit dem Aufkommen künstlicher Süßstoffe derart rapide zugenommen habe, berichten sie im Fachmagazin Behavorial Neuroscience.
(Quelle: Die Welt)

Zwar wurden diese Versuche mit Ratten durchgeführt, aber das macht ja nichts. Sind wir nicht alle irgendwie Ratten? Manche Männer sind Schweine, andere Gockel, manche Frau ist eine Gazelle, eine andere ein scheues Reh – vermutlich steckt hinter all diesen Verkleidungen ja letztendlich doch immer eine Ratte.

Doch halt! Alles Unfug! Bildungsmangel macht nicht dick! Wieder andere Wissenschaftler haben nämlich bewiesen, dass es gar nicht darauf ankommt, ob Zucker oder Süßstoff verwendet wird:

Vier einfache Verhaltensregeln verlängern das Leben durchschnittlich um 14 Jahre: nicht rauchen, etwas Sport treiben, mäßig Alkohol trinken und täglich fünf Portionen Obst und Gemüse essen. Das berichten britische Forscher um Kay-Tee Khaw von der Universität Cambridge, die seit 1993 das Schicksal von mehr als 20.000 Probanden im Alter von über 45 Jahren verfolgt haben. Diese Beobachtung sei unabhängig von gesellschaftlicher Schicht und Körpergewicht, betonen die Mediziner im Fachjournal „PLoS Medicine“.
(Quelle: Die Welt)

Na fein. Das Körpergewicht hat nichts mit der Lebenserwartung, der Gesundheit zu tun. Täglich einen halben Liter Wein oder einen ganzen Liter Bier trinken, nicht rauchen, Obst essen, und Sport treiben – das ist das Rezept für ein langes Leben, ob der Mensch nun dick oder mager ist. Solange er, wie wieder andere Wissenschaftler festgestellt haben, nicht auf regelmäßige Orgasmen verzichtet:

Sex steigert die Herzfrequenz auf bis zu 120 Schläge pro Minute. Der Blutdruck nimmt kurzfristig, aber deutlich zu und bei einem Orgasmus wird in der Minute 40 mal ein- und ausgeatmet. Hinzu kommt:
– Sex hält schlank. Je nach Vorlieben können beim Liebesspiel schon mal 500 Kalorien verbraucht werden.
– Dabei wird das Herz geschont. Zehn Minuten Schnee schaufeln, ein paar Stockwerke Treppensteigen oder ein heftiger Streit belasten das Herz weit mehr.
– Der Kreislauf wird angeregt und trainiert. Nachteilig für die Leistungsfähigkeit ist Sex nur unmittelbar danach. Aber wer tritt schon direkt nach dem Akt zum 100-Meter-Sprint-Wettkampf an?
– Die Haut wird gesünder. Wer schwitzt, reinigt seine Poren, und eine gute Durchblutung hält Haut und Schleimhäute länger jung. Das Bindegewebe wird stärker, einer Cellulite oder Krampfadern wird vorgebeugt. Darüber hinaus soll Sex Altersflecken auf der Haut entgegenwirken.
– Die Geschlechtsorgane werden mit frischem Blut versorgt. Bei Männern kann das einer Prostataerkrankung entgegenwirken.
(Quelle: WDR)

»Befriedigender Sex, dazu gehört auch Masturbation, kann zwar keine Krankheiten wie Rheuma oder Diabetes heilen, doch vor allem auf psychosomatischer Ebene vermag er kleine Wunder zu bewirken«, erklärt die Urologin Kornelia Hackl. »Dabei liegt sein Geheimnis im Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung – der Basis aller Lebendigkeit.« Und so kann »Doktor Sex« gegen Rückenschmerzen, Spannungskopfweh, depressive Verstimmung und vieles mehr beinahe wie ein Heiler wirken …
Quelle: Focus

Ob nun Sport und Orgasmus zu einer Verdoppelung der Gesundheit führen, wurde vermutlich noch nicht erforscht. Man könnte aber noch den Kaffee ins Spiel bringen, denn auch da gibt es Forschungen, die beweisen, dass er einem langen Leben und der Gesundheit förderlich ist. Auch die Region, in der man lebt, hat ja Auswirkungen auf Lebenserwartung und Leibesumfang.

Ich freue mich auf die nächste Studie, die dann beweisen wird, dass doch der Zucker der Bösewicht und Sex schädlich ist. Oder dass Dicke grundsätzlich intelligenter sind als Dünne. Oder dass Kaffee und Zigaretten zusammen für ein langes Leben sorgen, während Zigaretten ohne Kaffee schädlich sind. Oder auch nicht, wie ja kürzlich Fachärzte dem eingangs zitierten ehemaligen Bundeskanzler bescheinigt haben.

Ehefrau Loki sagte zum Abgewöhnen Anfang des Jahres der Morgenpost:

»Sogar die Ärzte raten uns davon ab. Die Umstellung würde zu viel Stress für den Körper bedeuten.«
(Quelle: Die Welt)

Schön, dass wir die Wissenschaften haben, mit all ihren Forschern, die sensationelle Erkenntnisse am laufenden Band produzieren. So wird es nicht langweilig in den Medien und ich suche mir aus der Bibel das heraus, was für das Festmahl am kommenden Sonntag am besten passt:

So gebe dir Gott vom Tau des Himmels und vom Fett der Erde und von Korn und Most die Fülle! 1. Mose 27, 28

Preise den Herrn, meine Seele, … der Gras hervorsprossen läßt für das Vieh … und Wein, der des Menschen Herz erfreut; damit er das Angesicht glänzend mache vom Öl und Brot des Menschen Herz stärke. Psalm 104, 14-15

Advertisements

Kommentare zu: "Rezepte für ein langes Leben" (3)

  1. Ein längeres Leben durch regelmäßige Orgasmen.

    Mein Kommentar dazu:

    Was ich überhaupt nicht verstehe, ist, dass das männliche Geschlecht dadurch nicht eine durchschnittlich längere Lebenserwartung als eine Frau hat, wenn doch die Orgasmushäufigkeit im Sex beim Manne viel-viel höher liegt(!). Sollte der Orgasmus vielleicht diesem Umstand zufolge tatsächlich zur Lebensverkürzung führen??? – wäre eigentlich logisch – oder? – denn Frauen leben durchschnittlich länger als Männer.

    mfG

  2. Hallo Angla,

    wie gut, dass ich diesen Text unter »Glossen« eingeordnet und das Schild »Vorsicht Satire!« angebracht habe…

    Vermutlich würden Männer ohne Orgasmen noch viel kürzer leben – könnte man ebenso schlussfolgern.

  3. […] Rezepte für ein langes Leben February 2008 2 comments 5 […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: