Sakrales und Säkulares friedlich vereint

Vorbemerkung im Sommer 2014: »Hoffentlich liest das niemand«, denke ich angesichts mancher Texte aus meiner Feder. Und ich lasse sie trotzdem stehen. Sie sind aus einer Lebens- und Glaubenssituation entstanden, die damals authentisch war. Ich bin weiter gegangen auf meiner Lebensreise, aber das ändert ja nichts daran, dass ich einmal dort in der Vergangenheit war und aus der damaligen Sicht geschrieben habe. Vielleicht sind solche Beiträge ja noch immer für Menschen gut, zu deren Situation sie passen. Heute würde ich über dieses Thema anders schreiben. Vielleicht tue ich das sogar eines Tages …
Mehr über die innere Entwicklung, die im Lauf der Zeit auch für felsenfest gehaltene Überzeugungen wandeln kann, in diesem Artikel: Hoffentlich liest das niemand
E
nde der Vorbemerkung.

Geschehe, Wille Gottes!

Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. 1. Mose 1, 1-3

Wie lange schwebte der Geist Gottes über den Wassern? Wie lange war die Erde wüst und leer, nachdem Gott sie geschaffen hatte? Monate? Jahre? Jahrzehnte? Jahrhunderte? Wir wissen es nicht, und in diesem Zusammenhang spielt es auch keine Rolle. Viel interessanter ist, in welchem Moment sich der Zustand geändert hat. Die Erde war wüst und leer, es war finster. Wie lange der Zustand auch angehalten haben mag, er änderte sich, als Gott sprach. Der Geist Gottes, der die ganze Zeit da gewesen war, über dieser finsteren Öde schwebte, wurde aktiv, als das Wort ausgesprochen wurde: Es werde Licht. Ein Einzelfall?

Und Gott sprach: Es werde eine Wölbung mitten in den Wassern, und es sei eine Scheidung zwischen den Wassern und den Wassern! Und Gott machte die Wölbung und schied die Wasser, die unterhalb der Wölbung von den Wassern, die oberhalb der Wölbung waren. Und es geschah so. 1. Mose 1, 5-6

Wieder das gleiche Muster. Erst spricht Gott sein Wort, dann handelt er. Wir können in dieser Weise Schritt für Schritt der Schöpfungsgeschichte betrachten, wir finden immer die gleiche Reihenfolge. Zuerst wird das Wort Gottes ausgesprochen, dann geschieht etwas, dann tut Gott das, was er zuerst ausgesprochen hat, dann ändern sich die Umstände, dann entsteht etwas Neues. Das sehen wir nicht nur bei der Schöpfung.

…und er speiste dich mit dem Manna, das du nicht kanntest und das deine Väter nicht kannten, um dich erkennen zu lassen, dass der Mensch nicht von Brot allein lebt. Sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN hervorgeht, lebt der Mensch. deine Kleidung an dir ist nicht verschlissen, und dein Fuß ist nicht geschwollen diese vierzig Jahre… 5. Mose 8, 3-4

Jesus zitierte aus dieser Schriftstelle, als er in der Wüste versucht wurde, hungrig war. Steht der Begriff „Mund des Herrn“ zufällig im Zusammenhang mit materieller Versorgung, Nahrung und Kleidung?
Ist es Zufall, was vor Jericho angeordnet wurde?

Dem Volk aber hatte Josua befohlen: Ihr sollt kein Kriegsgeschrei erheben und eure Stimme nicht hören lassen. Kein Wort soll aus eurem Mund kommen bis zu dem Tag, an dem ich zu euch sagen werde: Erhebt das Kriegsgeschrei“ Josua 6, 10

Das Volk hielt den Mund, bis die Stadt sechs Mal umrundet war.

Und es geschah beim siebten Mal, da stießen die Priester in die Hörner und Josua sagte zum Volk: Erhebt das Kriegsgeschrei! Denn der HERR hat euch die Stadt gegeben. Josua 6, 16

Er sagte nicht, dass der Herr ihnen anschließend die Stadt geben oder möglicherweise geben würde. Er stellte eine Tatsache fest und sprach sie aus: Der Herr hat euch die Stadt gegeben. In diesem Moment stand das Volk allerdings noch vor den uneinnehmbaren Mauern. Josua hatte gelogen. Oder nicht?

Im vorigen Kapitel hatte ich erzählt, wie ich mit gutem Gewissen gelogen habe: „Unsere Schuldenlast ist von uns genommen.“ Ich habe auch berichtet, was aus der Unwahrheit, die ich da beharrlich aussprach, geworden ist. Manch einer sagt ständig: „Mir geht es gar nicht gut, ich leide, es wird immer schlimmer…“ – und es wird tatsächlich immer schlimmer. Manch einer spricht mit seinem Mund negative Prognosen über sich, seine Situation und womöglich seine Mitmenschen aus und erntet, was er mit seinen Lippen beständig ausgesät hat. Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen der Feststellung „da gibt es ein Problem in meinem Leben“ und dem Bekenntnis „das Problem werde ich nicht los“. Darauf komme ich gleich zu sprechen.

Nach der Bekehrung zu Jesus denkt sich mancher von uns: „Jetzt bin ich ein besserer Mensch und gebe mir auch mehr Mühe – und jetzt habe ich endlich einen guten Beistand, der darauf aufpasst, dass ich nicht mehr in Probleme hineingerate. Gott ist der Helfer, ich bin der, dem geholfen wird. Alles ist gut.“ Nach einiger Zeit merken wir dann, dass nicht alles gut ist, dass sogar die Hilfe ausbleiben kann. Enttäuschung macht sich breit: Warum greift Gott nicht ein, wenn mir so übel mitgespielt wird? Und dann ist der Weg nicht mehr weit zu dem Punkt, an dem wir anfangen, das Wort Gottes zu bezweifeln, seine Zusagen und Verheißungen in Frage zu stellen.
Dabei haben wir nur nicht verstanden, welche Rolle wir selbst bei der Erfüllung von Verheißungen spielen: Wir sind es, denen Autorität delegiert wurde. Wir haben von Gott Autorität für dieses Leben bekommen:

Die Himmel sind die Himmel des Herrn. Die Erde aber hat er den Menschen gegeben. Psalm 115, 16

Der Himmel ist zweifellos der Himmel des Herrn, dort geschieht ausschließlich sein Wille. Gott hat sämtliche Rahmenbedingungen festgelegt, die Menschen geschaffen, die Erde geformt, uns Regeln gegeben… und dann hat er die Erde dem Menschen gegeben. Das wird heute kaum beachtet, weil sich so viele damit abgefunden haben, dass wir beten und nichts geschieht. Wir betrachten die Bibel als Geschichtensammlung, lesen staunend, was früher einmal geschehen konnte.
Aber es kann und es soll und es wird heute geschehen. Das Evangelium ist keine Philosophie, keine Theorie, sondern es geschieht, wenn es und während es gepredigt wird. Wir werden das mit unseren Augen, in unserem Land sehen.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Matthäus 6, 10

Das beten wir als Christen regelmäßig im Vaterunser. Ist das ein frommer Wunsch, eine Bitte? Nein, es ist ein Befehl, eine Anordnung. Im Griechischen wird es deutlicher, da gibt es so eine Art Befehlsform in der dritten Person: „Geschehe, Wille Gottes, hier auf Erden – so, wie du im Himmel geschiehst.“ Sinngemäß sagte Jesus: „Im Himmel geschieht der Wille des Vaters. Aber auf der Erde geschieht er nur, wenn Menschen in eine Situation hineingehen und anordnen: Hier geschehe jetzt der Wille Gottes, hier komme jetzt das Reich Gottes in diese Situation hinein.“
Wenn Menschen diese Autorität erkennen und begreifen und den Willen Gottes in eine Situation hinein befehlen, dann geschieht er in irdischen Situationen. Jesus erklärte seinen Jüngern diese Tatsache mit einem Beispiel:

Habt Glauben an Gott! Denn wahrlich, ich sage euch, wenn jemand zu diesem Berge spräche: Hebe dich und wirf dich ins Meer, und in seinem Herzen nicht zweifelte, sondern glaubte, dass das, was er sagt, geschieht, so wird es ihm zuteil werden. Darum sage ich euch: Alles, was ihr im Gebet verlangt, glaubt, dass ihr es empfangen habt, so wird es euch zuteil werden! Markus 11, 22-25

Für uns aufgeklärte Mitteleuropäer ist es schwer, mit diesen Vorstellungen umzugehen, das geht schon damit los, dass man normalerweise Berge nicht anspricht. Aber Jesus sagte unmissverständlich: „Sprich das Problem an!“ Er hatte zuvor zu einem Baum gesprochen – und der Baum hatte darauf gehört, er war über Nacht verdorrt. Die Jünger waren baff. Dass ein Baum zuhören kann, war ihnen bisher entgangen. Jesus hat auch zum Wind gesprochen: „Wind, sei still!“ Und der Wind musste gehorchen. Wir finden in der Bibel Befehle, die Sonne und Mond ansprechen. Jesus sprach blinde Augen an, taube Ohren. Petrus redete mit einer Leiche: „Steh auf!“ Es gibt viele weitere solche Berichte in der Bibel.
Jesus machte durch das Gleichnis mit dem Berg klar: „Wenn ihr etwas verändern wollt auf dieser Welt, dann fangt an, so zu beten und zu handeln. Gebt Anweisungen, sprecht sie aus.“
Er hatte den Baum am Vortag nicht aufgefordert, zu verdorren, um ein Zauberkunststück vorzuführen und sich dann im Applaus der Menge zu sonnen. Er wollte, dass die Menschen etwas begriffen, will, dass auch wir es verstehen: Wenn wir vor einem Berg stehen und erklären: „Lieber Berg, du störst mich schon lange, ich weiß, dass es dir im Meer vielleicht nicht so gut gefällt, aber irgendwie ist die Aussicht für mich besser, wenn du jetzt verschwindest; natürlich weiß ich nicht, ob es irgend einen unerforschlichen Ratschluss gibt, warum du doch gut für mich sein könntest, aber, vielleicht, ich meine, wenn es dir gefällt, soll der Herr dich lieber ins Meer befördern…“ – dann ist der Berg am Ende ganz verwirrt. Er bleibt einfach stehen, wo er ist, weil er aus uns nicht schlau geworden ist.
„Ab ins Meer!“ – da weiß der Berg, was er zu tun hat und hebt sich ins Meer. Klare und verständliche Kommandos. Wir müssen uns nicht fürchten, Autorität zu haben, im Namen Jesu in einer Situation zu handeln, wenn wir den Willen des Herrn erforscht haben.

Und damit sind wir wieder bei dem zentralen Thema, das ich bereits versucht habe, deutlich zu machen: Wir müssen in Jesus sein und bleiben. Jesus muss in uns sein und bleiben. Sonst wissen wir nicht, welches Wort wir aussprechen sollen, um eine Situation zu ändern.
Von einem Säugling verlangen wir nicht, dass er Entscheidungen trifft. Weder über sein eigenes Leben, noch über seine Umgebung. Ein Baby hat noch keine Ahnung, was die Eltern wollen. Ein Kleinkind begreift schon, dass es Verbote gibt, dass es Erlaubnisse gibt, aber meist noch nicht, warum die Eltern dieses wollen und jenes nicht. Mit zunehmendem Alter begreifen Kinder, warum es nicht der Wille der Eltern ist, dass man eine Kerzenflamme anfasst…
Von einem Menschen, der gerade erst zu Jesus gefunden hat, erwartet Gott nicht, dass von ihm Autorität ausgeübt wird oder dass dieser Mensch viel versteht. Vielmehr bedarf jeder geistliche Säugling der Fürsorge und des Schutzes, und die bekommen wir auch am Beginn unseres Glaubenslebens. Das ist völlig normal, wie auch Petrus schrieb:

Legt nun ab alle Bosheit und allen Trug und Heuchelei und Neid und alles üble Nachreden, und seid wie neugeborene Kinder begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch des Wortes – damit ihr durch sie wachst zur Rettung, wenn ihr wirklich geschmeckt habt, dass der Herr gütig ist! 1. Petrus 2, 1-3

Zuerst nehmen wir nur Milch zu uns, Milch des Wortes Gottes, damit wir dadurch wachsen und stark werden. Leider tun viele geistliche Säuglinge nicht einmal das. Sie lesen nicht in der Bibel, folglich schmecken sie nicht wirklich, dass der Herr gütig ist. Sie entwickeln völlig falsche Vorstellungen darüber, wie Gott ist.
Wenn eine gesunde Entwicklung stattfindet, werden wir, wie Petrus schrieb, „wachsen zur Rettung.“ Das zeigt sich dann unter anderem auch dadurch, dass wir unsere Verantwortung für die Rettung der Menschen mehr und mehr erkennen und entsprechend handeln. Andernfalls bleiben wir in der Entwicklung zurück, wie Paulus den zerstrittenen Korinthern vorhalten musste:

Ich habe euch Milch zu trinken gegeben, nicht feste Speise; denn ihr konntet sie noch nicht vertragen. Ihr könnt es aber auch jetzt noch nicht, denn ihr seid noch fleischlich. 1. Korinther 2, 2-3

Wir müssen uns entscheiden, ich muss mich entscheiden, ob ich schon damit zufrieden bin, errettet zu sein, oder ob ich daraus etwas machen will.
Es wird etwas kosten, wenn wir den Zustand der Gemeinde in unserer Zeit nicht mehr hinnehmen, weil wir feststellen, dass sie keine nennenswerte Ernte einbringt. Es wird unsere Zeit kosten. Es wird unsere autonome Lebensplanung kosten. Es wird uns auch Kritik einbringen, wir werden Unverständnis und Feindschaft erleben – aus den eigenen Reihen zum Teil. Jesus wurde von denen angegriffen, die es sich in ihrer Religion gemütlich eingerichtet hatten, die sich ihrer Stellung vor Gott und in der Gesellschaft sicher waren. Von denen, die meinten, alles über Gott zu wissen, von Gott eingesetzt zu sein, alles richtig zu machen.
Wie werden wir mit solchen und anderen Angriffen fertig, wie bestehen wir Prüfungen erfolgreich? Gottes Wort muss in uns bleiben, wir müssen die Bibel förmlich essen, damit sie in uns hinein kommt. Andernfalls werden wir wanken und unsicher werden, wenn auf einmal die Menschen brüllen und gegen uns sind. Da müssen wir genau wissen, was das Wort Gottes sagt. Wir brauchen Gewissheit, was Gottes Wille ist und wir brauchen Gewissheit, dass der Himmel zu uns steht. Wir haben die „Milch des Wortes Gottes“ zu uns genommen und dadurch wirklich geschmeckt, dass der Herr gütig ist. Wir wissen, dass Krankheit nie und nimmer sein Wille ist, dass vielmehr jede gute Gabe, alles Vollkommene aus seiner Quelle stammt. Wir können den Berg als Hindernis identifizieren und wissen, dass er ins Meer gehört. Dann können wir in Situationen hineingehen und sie umdrehen, dann können wir Anweisungen geben im Namen Jesu. Und es wird geschehen, was wir anweisen.
Der Dreh- und Angelpunkt ist die Gemeinschaft mit unserem Herrn. Ein großer Teil der Christen weiß nicht, was in der Bibel steht. Wir hören am Sonntag eine Predigt, und das ist auch gut so. Wir lesen ein Buch, einen Artikel über ein biblisches Thema, auch daran ist nichts verkehrt. Aber das ist Nahrung aus zweiter Hand, und es ist immer nur ein kleiner Ausschnitt. Auch das, was ich in diesem Text schreibe, ist kein Ersatz für das Original, das Wort Gottes. Keine Prophetie, keine Predigt, kein noch so gutes Buch über die Bibel kann sie ersetzen, wenn wir wachsen und unsere Autorität verstehen – und anwenden – wollen.
Wer Jesu Fleisch nicht zerkaut und isst, wer sein Blut nicht trinkt, wird nicht in ihm bleiben. Der Heilige Geist kann uns das Wort Gottes nicht zum persönlichen Reden machen, wenn wir es nicht lesen. Ausdauernd, im Zusammenhang, hungrig, wissbegierig. Das kostet Zeit, gewiss, aber es ist notwendig, wenn die Not der Gemeinde und die Not der Welt gewendet werden soll.
Es geht nicht ohne Bibel, und es geht auch nicht ohne Gebet. Wir haben im Kapitel 3 bereits betrachtet, wie viele Stunden Jesus im Gebet verbracht hat, wie viele Stunden sich seine Nachfolger der ersten Generationen dafür nahmen. Solche Stunden, Nächte und Tage im Gebet haben direkte Auswirkungen in der sichtbaren Welt. Ein eindrückliches Beispiel für diesen Zusammenhang finden wir in der Episode in Markus 9, 14-29, als die Jünger an der Heilung eines Jungen scheiterten.
Jesus führte ein kurzes Diagnosegespräch mit dem Vater des Jungen, der Dämon fing an zu wüten und Jesus ordnete an:

Du stummer und tauber Geist, ich gebiete dir: fahre von ihm aus, und fahre nicht mehr in ihn hinein! Markus 9, 25

Ein klarer Befehl, unmissverständlich für Mensch und Dämon. Der unreine Geist sträubte sich noch, aber dann ging er, und das Kind war fit und gesund.
Das ganze hatte eine Vorgeschichte. Die Nacht davor hatte Jesus auf einem Berg im Gebet verbracht. Das, was in dieser Nacht auf dem Berg passiert ist zeigt, wie Jesus gebetet hat, wenn er lange Gemeinschaft mit dem Vater hatte. Er hat keine Gebetsliste mit auf den Berg geschleppt, um Punkt für Punkt durchzubeten, viele Worte darüber zu machen, womöglich den Himmel zu bestürmen und seinen Willen durchzusetzen… Stattdessen hat er intensiv den Heiligen Geist aufgenommen, sich in der Herrlichkeit Gottes füllen lassen mit aller notwendigen Kraft und Freude. Jesus verstand es so meisterhaft, die Nähe des Vaters zu suchen, dass sein Gesicht anfing zu leuchten und seine Kleider weiß wurden. Das kann die Folge sein, wenn man die Herrlichkeit Gottes in sich aufnimmt. Auch Mose leuchtete, als er aus der Gegenwart Gottes zurückkehrte.
Jesus hat in solchen Stunden und Nächten das Wort des Vaters empfangen. Er tat ja nach eigener Aussage nur, was er den Vater tun sah, redete nur, was er vom Vater hörte.
Der Vater sprach aus der Wolke: „Das ist mein lieber Sohn.“ Jesus hat sich neu lieben lassen von seinem Vater, hat sich das neu zusprechen lassen, dass er der liebe Sohn des Vaters war. Das hat ihm gut getan. Der Vater sagte auch: „Den sollt ihr hören“, womit er noch einmal die Autorität beglaubigte. Er bestätigte: „Du bist in meinem Namen, das heißt in meinem Auftrag, auf der Erde und ich stehe zu dir und die Leute sollen dich hören. Wer sich gegen dich stellt, stellt sich gegen mich.“ So hat Jesus im Gebet Kraft, Weisheit, Ausrichtung empfangen. Beten ist so schön, wenn man so betet. Bibellesen ist so schön, wenn man so liest. Das ist nicht langweilig, trocken, da schaut man nicht auf die Uhr, ob die Stunden wohl bald vorbei sein werden. Wenn man Gottes Wort in sich aufnimmt, entdeckt, was er uns alles an guten Dingen zugedacht hat, wenn man in seiner Herrlichkeit verweilt und sie in sich aufnimmt, wenn man empfängt, dass der Vater einen lieb hat, dass er Autorität gegeben hat, dann wundert man sich höchstens, wieso die Zeit so schnell vorüber ist.
Die Jünger kamen später und fragten, warum es bei ihnen nicht geklappt hatte. Sie wussten, dass ihnen die notwendige Autorität schon verliehen worden war. Jesus hatte sie ihnen bereits gegeben, die Autorität über alle Dämonen. Aber an dieser Aufgabe waren sie eindeutig gescheitert. Nun hätten sie annehmen können, das sei eben so, sich damit abfinden und über den unerforschlichen Ratschluss Gottes philosophieren können. Statt dessen kamen sie zu Jesus und fragten: „Warum haben wir ihn nicht austreiben können?“ Jesus erklärte ihnen, dass ihre Vorbereitung mangelhaft war: „Diese Art kann durch nichts ausfahren als nur durch Gebet.“ (Markus 9, 29)Damit meinte er nicht, dass die Jünger hätten stundenlang mit diesem Jungen beten sollen. Das hatte er ja auch nicht getan, sondern einen kurzen und unmissverständlichen Befehl ausgesprochen. Er meinte vielmehr, dass ihnen die Stunden der Gemeinschaft mit dem Vater fehlten. Wenn sie wie Jesus die Nacht in der Gegenwart Gottes verbracht hätten, wäre dieser Junge und sein Dämon für sie keine unlösbare Aufgabe gewesen.
Die Jünger hatten fast alles richtig gemacht. Sie hatten die Ausrüstung: Autorität war ihnen verliehen worden. Sie sahen das Problem: Einen gequälten Jungen. Sie taten das Richtige: Raus mit dem Dämon. Und doch blamierten sie sich fürchterlich: Es kam zum Streit mit den Pharisäern vor einer aufgeregten Volksmenge und der Vater des Jungen berichtete: „Ich sagte deinen Jüngern, dass sie ihn austreiben möchten, und sie konnten es nicht.“ (Markus 9, 18) Es gibt genügend Christen, die durch die Gegend laufen und etwas proklamieren, was dann nicht geschieht. Sie schreien noch lauter, und es geschieht trotzdem nichts. Es gibt ausreichend viele Gläubige, die sagen: „So spricht der Herr…“, obwohl der Herr so nie gesprochen hat. Das geschieht in der Regel nicht aus bösem Willen, sondern entweder aus Unkenntnis über die Quelle der Autorität und ihre Anwendung oder aus mangelnder Reife. Beides kann man ändern.
Nicht von heute auf morgen. Es fängt nicht mit den sensationellen Ergebnissen an. Es fängt im Verborgenen an. Es fängt damit an, dass wir uns Zeit nehmen für die Bibel, Zeit für das Gebet. Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der HERR der Heerscharen. (Sacharia 4, 6) Der Geist Gottes verändert unseren Geist, macht ihn stark, erklärt ihm die Vollmacht und Autorität, die uns gegeben ist. Der Heilige Geist korrigiert uns, zeigt uns Fehler, schließt uns das Wort Gottes so auf, dass es zu einem ganz persönlichen Besitz wird. Er verändert dabei unseren Charakter, unser Denken, unser Empfinden. Das geschieht in der Gemeinschaft mit Gott, wenn wir sie suchen und pflegen. Nicht durch gute Vorsätze, ab morgen ein besserer Mensch und ein frommerer Christ zu sein. Nicht durch das Einhalten von religiösen Übungen. Nicht durch Pflichterfüllung. Sondern ganz liebevoll, durch den Geist Gottes, während wir Zeit mit ihm verbringen.
Und nur so wissen wir in der entscheidenden Situation, im Alltag, was der Wille Gottes ist. Wie können wir anordnen, dass er geschehen soll, wenn wir unsicher sind, wie er aussieht? Das geht nicht, und wenn wir es versuchen, richten wir am Ende mehr Schaden an als jemand, der gar nichts tut.

Im nächsten Kapitel werde ich auf die Autorität zurückkommen, wie sie konkret angewendet werden kann und – was keineswegs weniger bedeutend ist – wozu sie nicht gedacht ist. Es ist wichtig, das zu wissen.
Es wurde und wird viel Schindluder getrieben mit heiligen Dingen, aus Unkenntnis und oft genug leider auch aus Gewinnsucht und Eitelkeit. Viele Menschen wurden verletzt, ausgenutzt, hinter das Licht geführt von Personen, die im Namen des Herrn aufgetreten sind. Wir wollen das nicht. Daher scheuen viele Christen ganz davor zurück, das Übernatürliche zum Bestandteil ihres Glaubens zu machen.
Doch damit berauben wir uns, die Gemeinde, eines wesentlichen Bereiches unserer Aufgabe in dieser Welt. Wenn Jesus gesagt hat, dass „diese Zeichen“ denen folgen, die an ihn glauben, dann hatte das einen guten Grund. Er wird eine Braut vorfinden, die ohne Flecken und Runzeln ist, die so aussieht, wie er sie beschrieben hat. Jesus verdient keine behinderte, ihrer Kraft beraubte Gemeinde, er verdient eine Braut, die ihn widerspiegelt, die sein Licht ausstrahlt. Die seine Werke weiterführt, die siegreich ist und die dafür sorgt, dass sein Reich kommt, dass sein Wille geschieht. Eine Gemeinde, die einen Befehl, seinen Befehl, ausspricht: „Geschehe, Wille Gottes!“

Zur Fortsetzung

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Kommentare zu: "Die Tage sind gezählt – Teil 5" (1)

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