Sakrales und Säkulares friedlich vereint

Zwei Wege

»Hoffentlich liest das niemand«, denke ich angesichts mancher Texte aus meiner Feder. Und ich lasse sie trotzdem stehen. Sie sind aus einer Lebens- und Glaubenssituation entstanden, die damals authentisch war. Ich bin weiter gegangen auf meiner Lebensreise, aber das ändert ja nichts daran, dass ich einmal dort in der Vergangenheit war und aus der damaligen Sicht geschrieben habe. Vielleicht sind solche Beiträge ja noch immer für Menschen gut, zu deren Situation sie passen.
Heute würde ich über dieses Thema anders schreiben. Vielleicht tue ich das sogar eines Tages … 
Mehr über die innere Entwicklung, die im Lauf der Zeit auch für felsenfest gehaltene Überzeugungen wandeln kann, in diesem Artikel: Hoffentlich liest das niemand …

Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht!

Im ersten Psalm werden uns zwei mögliche Lebenswege vorgestellt. Der bessere Weg hat keine Überschneidung mit dem Weg der Sünder. In den Sprüchen lesen wir:

Mein Sohn, geh nicht mit ihnen auf dem Weg, halte deinen Fuß zurück von ihrem Pfad! (Sprüche 1,15)

und

Den Pfad der Gottlosen betritt nicht, beschreite nicht den Weg der Bösen! (Sprüche 4, 14).

Es gibt oft Verständnisschwierigkeiten bei der Frage nach dem Lebenswandel, denn wir leben nun einmal in dieser Welt, mitten unter Sündern, wenn wir nicht ein Kloster oder eine einsame Insel bewohnen. Es ist uns aber trotzdem möglich, mitten in der Welt anders zu leben, einen anderen Weg einzuschlagen.

Ephesus war keine „fromme“ Stadt. Paulus, der den Ort aus eigenen Besuchen kannte, schrieb an die Gläubigen dort:

Dies nun sage und bezeuge ich im Herrn, dass ihr nicht mehr wandeln sollt, wie auch die Nationen wandeln, in Nichtigkeit ihres Sinnes… (Epheser 4, 17).

Offenbar war es notwendig, der lokalen Gemeinde diese (und andere) Ermahnungen zu geben. Paulus schrieb ja diesen Brief nicht an Ungläubige, sondern an Christen. Er musste sie daran erinnern, dass sie, was den früheren Lebenswandel angeht, den alten Menschen abgelegt hatten, der sich durch die betrügerischen Begierden zugrunde richtet (Vers 22).
Mit der Entscheidung für Christus, fuhr Paulus fort, geschieht eine Erneuerung durch den Geist des Denkens und Wollens und der Mensch hat einen neuen Menschen angezogen, der nach Gott geschaffen ist – in Gerechtigkeit und Heiligkeit (Vers 23, 24). Wenn das bedeuten würde, dass wir nach der Bekehrung automatisch heilig leben würden, wäre natürlich alles einfacher. Aber so ist es nicht. Wir sind nach wie vor den Versuchungen und Verlockungen ausgesetzt – allerdings besitzen wir als Gläubige die Möglichkeit, siegreich zu leben. Dann entsprechen wir dem Bild, das der Psalm 1 uns im nächsten Vers zeigt:

Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Laub nicht verwelkt; alles was er tut, gelingt ihm. (Vers 3)

Wir müssen aber etwas dafür tun, dass uns alles, was wir tun, gelingt, wie es hier heißt. Die Errettung bekommen wir geschenkt, wir können sie nicht erarbeiten oder kaufen. Es gibt keine Möglichkeit, sich das ewige Leben zu verdienen. Nicht durch Wohlverhalten, nicht durch stundenlange Gebete, nicht durch Barmherzigkeit, nicht durch Gesetzestreue. Es ist ausgeschlossen.
Wenn wir Christen geworden sind, beginnt ein neues Leben in der alten Umgebung. Der Weg der Sünder ist immer noch vorhanden, der Kreis der Spötter sitzt gleich nebenan – wie zuvor. Was können wir nun also tun?

Deshalb legt die Lüge ab und redet Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten! Denn wir sind untereinander Glieder. Zürnet, und sündigt dabei nicht! Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn, und gebt dem Teufel keinen Raum! (Epheser 4, 25-27)

War es notwendig, die Christen in Ephesus aufzufordern, einander nicht anzulügen? Waren sie unversöhnlich, gingen zornig miteinander um? Vermutlich ja, denn sonst wären diese klaren Anweisungen unnötig gewesen. Wir können uns, wenn wir auf dem besseren der Wege gehen wollen, täglich fragen: „Gebe ich dem Teufel Raum, indem ich zornig bin und die Unwahrheit sage?“

Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern mühe sich vielmehr und wirke mit seinen Händen das Gute, damit er dem Bedürftigen etwas mitzugeben habe! (Vers 28)

„Welch unnötige Ermahnung“, mag da mancher sagen, „ein Christ stiehlt doch nicht!“ Tatsächlich? Oder finden wir manchmal Formulierungen, die unseren Diebstahl verschleiern? Ein paar Einnahmen, die man dem Finanzamt bei der Steuererklärung nicht aufschreibt… Die Kassiererin gibt versehentlich zu viel Wechselgeld heraus, und wir stecken es ein, obwohl wir den Irrtum bemerken…

Paulus zählte den Ephesern weitere konkrete Dinge auf, vom faulen Wort, das aus dem Mund des Gläubigen kommen kann bis zu Unzucht und Götzendienst. Es gibt in unserem Christenleben eine ganze Menge Abzweigungen auf den Weg, den wir nicht gehen wollen. Um eines vermeintlichen Vorteils willen hat schon mancher Christ darauf verzichtet, dass alles, was sie tun, gelingt. Sie sind auf den anderen Weg geraten, über den der Psalm 1 fortfährt:

Nicht so die Gottlosen; sondern sie sind wie Spreu, die der Wind verweht. Darum bestehen Gottlose nicht im Gericht, noch Sünder in der Gemeinde der Gerechten. (Vers 4 und 5)

Wie aber bleiben wir auf dem richtigen Weg?

Paulus sagte den Ephesern:

Wandelt als Kinder des Lichts – denn die Frucht des Lichts besteht in lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit -, indem ihr prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist (Verse 8-10).

Das ist konkret und verständlich und jedem von uns möglich. Wir sind in der Lage, zu prüfen, was Gott wohlgefällig ist, denn das Handbuch zum Leben auf dem richtigen Weg, die Bibel, steht uns zur Verfügung. Wir müssen allerdings aktiv werden und prüfen. Das ist unsere Entscheidung, und die treffen wir nicht einmal, sondern täglich. Wir werden Buße tun, unsere Fehltritte bekennen und uns durch das Blut Jesu reinigen lassen, so bald wir bei dieser Prüfung feststellen, dass wir den Weg der Gerechten verlassen haben. Wenn wir ernsthaft und aufrichtig daran interessiert sind, auf dem Weg zu bleiben, dann steht uns die Vergebung und Reinigung zur Verfügung, so oft wir sie auch nötig haben. Sieben mal siebzig mal und darüber hinaus. Entscheidend ist unsere Entscheidung: Ich prüfe immer wieder und immer wieder, was der Wille Gottes ist.
Wenn wir das tun, dann werden wir zunehmend leichter auf dem Weg des Lebens bleiben. Je häufiger wir uns prüfen, wenn notwendig korrigieren und bewusst den Weg des Gerechten einschlagen, desto mehr gehen uns richtige Entscheidungen in Fleisch und Blut über.

Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten; aber der Gottlosen Weg vergeht,

schließt der erste Psalm. Der Herr begleitet uns auf diesem Weg, wir gehen ihn nicht allein.

Wir wollen die Vollmacht, die Kraft und den Sieg erleben, die uns in der Bibel versprochen werden? Das wird nur möglich sein, solange wir auf dem Weg des Gerechten unterwegs sind. Wir wollen die Hände auf Kranke legen und sie heilen? Das geht nicht auf dem Weg der Gottlosen, selbst wenn wir errettet sind. Wir möchten, dass das Reich Gottes sichtbar wird und sein Wille dort geschieht, wo wir als seine Kinder sind? Dann tun wir gut daran, unseren Weg täglich zu überprüfen. Nur wer in diesem Sinne heilig lebt, kann ernsthaft erwarten, dass die heiligen Dinge in seinem Leben geschehen.

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