Sakrales und Säkulares friedlich vereint

Wir sind Korinther

»Hoffentlich liest das niemand«, denke ich angesichts mancher Texte aus meiner Feder. Und ich lasse sie trotzdem stehen. Sie sind aus einer Lebens- und Glaubenssituation entstanden, die damals authentisch war. Ich bin weiter gegangen auf meiner Lebensreise, aber das ändert ja nichts daran, dass ich einmal dort in der Vergangenheit war und aus der damaligen Sicht geschrieben habe. Vielleicht sind solche Beiträge ja noch immer für Menschen gut, zu deren Situation sie passen.
Heute würde ich über dieses Thema anders schreiben. Vielleicht tue ich das sogar eines Tages … 
Mehr über die innere Entwicklung, die im Lauf der Zeit auch für felsenfest gehaltene Überzeugungen wandeln kann, in diesem Artikel: Hoffentlich liest das niemand …

Der Apostel Paulus begann seinen ersten Brief an die Korinther mit ernsten Ermahnungen, die bis heute nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt haben. Die Gemeinde Jesu Christi in Deutschland benimmt sich in weiten Teilen so wie die junge Gemeinde in Korinth zur Zeit des Paulus.
Wenn wir uns spürbares und mächtiges Wirken Gottes in unserem Land – beziehungsweise unserem Leben – wünschen, ist es wichtig, dass wir Hindernisse aus dem Weg schaffen, so weit es in unserer Macht steht.

1. Korinther 1, 10-13: „Brüder und Schwestern, im Namen von Jesus Christus, unserem Herrn, rufe ich euch auf: Seid einig! Bildet keine Gruppen, die sich gegenseitig bekämpfen! Haltet in gleicher Gesinnung und Überzeugung zusammen! Durch Leute aus dem Haus von Chloë habe ich erfahren, dass es unter euch Auseinandersetzungen gibt. Ich meine damit, dass ihr euch alle irgendeiner Gruppe zurechnet. Die einen sagen: »Ich gehöre zu Paulus!« Die andern: »Ich gehöre zu Apollos!« oder auch: »Ich gehöre zu Petrus!« Und wieder andere erklären: »Ich gehöre zu Christus!« Christus läßt sich doch nicht zerteilen! Ist vielleicht Paulus für euch am Kreuz gestorben? Oder wurdet ihr auf seinen Namen getauft?“

Tun wir nicht genau das Gleiche? Die einen sagen „Ich gehöre zur Pfingstgemeinde“, die anderen: „Ich bin evangelisch“, jemand neben ihm sagt: „Ich bin katholisch“ und wieder ein anderer nennt sich „charismatisch“. Indem wir das sagen, meinen wir oft nicht die Bezeichnung unserer Heimatgemeinde, sondern wir sagen gleichzeitig – ohne es auszusprechen freilich – dass wir zumindest in bestimmten Dingen und Fragen „Recht haben“ während den anderen noch etwas Erkenntnis fehlt.
Ist vielleicht Martin Luther für uns gestorben? Oder ist der Papst für uns gestorben? Oder ist Reinhard Bonnke oder John Wesley für uns gestorben? Oder wurden wir auf den Namen Charismatische Erneuerung getauft?
Wir werden nicht alles verstehen, was der Christ aus einer anderen Konfession oder Denomination an Überlieferungen und Werten mitbringt. Genauso wird er unsere Traditionen und Überzeugungen nicht unbedingt verstehen oder teilen. Wir sind nun einmal verschieden, so wie Paulus und Apollos und Petrus verschieden waren. Wir lesen in der Apostelgeschichte und den Briefen, dass sie durchaus Meinungsverschiedenheiten hatten.

Ich bin vielleicht eine Ausnahme: Die Jugend verbrachte ich in einer traditionellen Pfingstgemeinde, habe über Jahre in einer evangelischen Landeskirche mit einem Pfarrer zusammen wöchentliche Gottesdienste gestaltet, in einer katholischen Basilika bei Messen mitgewirkt, habe lange in einer evangelikalen Gemeinde meine geistliche Heimat gehabt und bin heute Mitglied einer charismatischen Gemeinde. Ich glaube seit über 30 Jahren an die Gaben des Heiligen Geistes und praktiziere sie – aber nicht, wenn ich mit Menschen zusammen bin, denen das aufgrund ihrer Lehre ein Anstoß sein könnte.
Wenn ich etwas in den mehr als 30 Jahren meines Christseins gelernt habe, dann dies: Gott setzt unterschiedliche Menschen auf unterschiedliche Weise ein. Und es ist mit Sicherheit nicht meine Aufgabe, zu erklären, welche Denomination, welcher Prediger, welche Gruppe etwas richtig oder falsch macht. Ich bin nach einer schweren Lebenskrise in der evangelikalen Gemeinde geistlich, seelisch und körperlich gesund geworden. Ich habe dort Hilfe erfahren, die unschätzbaren Wert hatte. Ich habe in charismatischen Kreisen genauso Wunder gesehen wie in Landeskirchen. Ich habe drei Tage und Nächte mit katholischen Geschwistern eine Gebetswache aufrechterhalten. Mir kann niemand mehr erzählen, dass Gott nur in „seiner“ Denomination wirkt.

Wieder Paulus:

„Zu euch, Brüder und Schwestern, konnte ich bisher nicht reden wie zu Menschen, die von Gottes Geist erfüllt sind. Ich mußte euch behandeln wie Menschen, die sich von ihrer selbstsüchtigen Natur leiten lassen und im Glauben noch Kinder sind. Darum gab ich euch Milch, nicht feste Nahrung, weil ihr die noch nicht vertragen konntet. Auch jetzt könnt ihr das noch nicht; denn ihr steht immer noch im Bann eurer selbstsüchtigen Natur. Ihr rivalisiert miteinander und streitet euch. Das beweist doch, dass ihr nicht aus dem Geist Gottes lebt, sondern eurer selbstsüchtigen Natur folgt und so handelt wie alle anderen Menschen auch! Wenn die einen sagen: »Ich gehöre zu Paulus«, und die andern: »Ich gehöre zu Apollos« – seid ihr da nicht immer noch die ‚alten‘ Menschen? Nun, was ist denn Apollos? Und was ist Paulus? Gottes Helfer sind sie, durch die ihr zum Glauben gekommen seid. Jeder von uns beiden hat von Gott seine besondere Aufgabe bekommen. Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat es wachsen lassen. Es zählt also nicht, wer pflanzt oder wer begießt; es kommt alles auf Gott an, der es wachsen läßt. Wir beide arbeiten an demselben Werk: der, der pflanzt, und der, der begießt; doch wird Gott jeden nach seinem persönlichen Einsatz belohnen.“ (1. Korinther 3, 1-8)

Liebe Christen in Deutschland, lasst uns nicht wie die ‚alten Menschen‘ sein. Was ist denn die katholische Kirche, die evangelische Kirche, die charismatische Gemeinde, die evangelikale Kirche, die Pfingstkirche oder die Baptistengemeinde? Gottes Helfer sind sie, durch die wir zum Glauben gekommen sind.
Du musst nicht sein wie der Bruder und die Schwester aus einer anderen Konfession oder Denomination, du musst ihre Formen der Anbetung, des Gebetes, des Gottesdienstes weder nachahmen noch übernehmen. Es ist gar nicht notwendig, dass wir unsere Eigenarten aufgeben. Du musst auch nicht alles begreifen oder für richtig befinden, was in anderen (oder deiner eigenen!) Gemeinden vor sich geht. Trauen wir dem Herrn der Gemeinde, Jesus Christus, nicht zu, selbst zu richten und zu beurteilen? Kann er nicht Fehler korrigieren und Wildwuchs beschneiden? Wenn eine Gemeinschaft die biblischen Grundlagen des Glaubens verlässt, wird der Herr dafür sorgen, dass entweder Umkehr geschieht oder ein Ende bereitet wird.

Wenn der Herr dich zum Wächter bestellt hat, dann gibt er Dir auch die Autorität und die Weisheit, dieses Amt auszuüben (so wie zum Beispiel Paulus). Ansonsten ist es deine Aufgabe, für die Menschen zu beten, bei denen du meinst, etwas Falsches zu erkennen und gleichzeitig sehr sorgfältig nach dem Balken zu suchen, der möglicherweise in deinem Auge steckt. Den Splitter im Auge des anderen wird dann derjenige entfernen, dessen Geschöpf damit herumläuft.
Notwendig (das heißt, dass eine Not gewendet wird) ist nur, dass wir uns danach ausstrecken, aus dem Geist Gottes zu leben, wie Paulus oben sagt. Anstatt miteinander zu rivalisieren und zu streiten, sollten wir gemeinsam danach streben, das Reich Gottes zu bauen und die Hölle zu plündern.
Der Herr wird große Dinge tun, das hat er in der Bibel verheißen. Er braucht dazu eine Gemeinde, die sich auf ihre Aufgabe konzentriert:

„Der versprochene Retter muß leiden und sterben und am dritten Tag vom Tod auferstehen. Und den Menschen aller Völker muß verkündet werden, dass ihnen um seinetwillen Umkehr zu Gott und Vergebung der Schuld angeboten wird.“ (Lukas 24, 46-47)

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