Sakrales und Säkulares friedlich vereint

Überraschungen

Unverhofft bekam ich eine große Packung Marzipan aus Lübeck geschenkt. Ohne Geburtstag zu haben – jemand wollte mir eine Freude machen. Es gibt solche angenehme Überraschungen und leider auch die andere Sorte. Meist weiß man nicht, wie eine Sache enden wird, bis man sich auf die Überraschung eingelassen hat.Ein Mann, Hirte von Beruf, ist mit der Herde seines Schwiegervaters unterwegs, als er etwas überraschendes sieht – ob eine positive oder negative Entwicklung folgen wird, ist einstweilen nicht klar. Es brennt. Am Rand der Wüste ist Trockenheit der Normalzustand, und ein Feuer in dürrer Umgebung kann gefährlich werden. Die Herde könnte nicht nur ihrer Nahrung beraubt werden, sondern auch in Panik geraten. Doch etwas an dem Feuer ist anders, als zu erwarten wäre. Der Strauch wird von den Flammen nicht beschädigt und verbrannt – und das ist die eigentliche Überraschung. Der Hirte ist neugierig und tritt näher, um dieses Phänomen in Au-genschein zu nehmen.

Kaum hat er ein paar Schritte auf den Dornbusch zu gemacht, da folgt schon die nächste Überraschung: Die Flamme redet, und nicht nur das, sie kennt sogar den Namen des Hirten.

Spätestens jetzt hätte mancher Mann Reißaus genommen. Offenbar spukt es am Rand der Wüste, oder die Sonne hat das Gehirn verschmort – nichts wie weg in den nächsten Schatten.

Der Hirte jedoch hat Mut und lässt sich auf eine Unterredung mit der seltsamen Erscheinung ein, indem er erst einmal bestätigt, tatsächlich der mit seinem Namen angesprochene Mann zu sein. Darauf erfährt er Unglaubliches. Die Stimme gibt sich als Gott selbst zu erkennen, beauftragt ihn, zum Regierungschef zu gehen und die Freilassung des Volkes einzufordern.

Man muss den Mut dieses Mannes bewundern: Er zweifelt nicht daran, mit dem wahren Gott ein Gespräch zu führen, aber er widerspricht, und zwar mit stichhaltigen Argumenten: Erstens sei er Hirte und nicht Diplomat, warum sollte der Regierungschef ihn überhaupt ernst nehmen – und zweitens sei er Hirte und nicht gewählter Volksvertreter, also warum sollte sein eigenes Volk ihm zuhören, geschweige denn folgen?

Gott ist geduldig und erklärt, dass er durchaus in der Lage ist, die benötigte Autorität für den Beauftragten bereit zu stellen. Doch dem Hirten gehen die Gegenworte nicht aus. Wenn das Volk ihm nicht glauben wird, was dann? Außerdem sei er kein guter Redner, sondern eher maulfaul. Auch auf dieses Argument geht Gott ein und versichert dem Mann, dass er als Schöpfer des Mundes doch wohl in der Lage sei, jemandem Redegewandtheit zu verleihen.

Auch das reicht jedoch nicht aus, der Hirte schlägt Gott vor, doch irgend jemanden zu senden, wen auch immer, bloß nicht ihn…

Wir wissen als Bibelleser, wie die Geschichte des Volkes Gottes durch diesen Hirten geprägt und verändert wurde. Man kann sich fragen, ob die Diskussion mit Gott in 1. Mose 3 und 4 nun mutig oder feige war. Einerseits gehörte eine Portion Mut dazu, Gott zu widersprechen, andererseits kann es durchaus ein Indiz für Furchtsamkeit sein, dass er den Auftrag nicht übernehmen wollte. Doch Mose wurde nicht durch Diskussionen mit dem Schöpfer zum gewaltigen Mann Gottes, sondern indem er die Dinge tat, die Gott ihm auftrug. Dabei machte er noch manchen Fehler, war keineswegs perfekt – aber er handelte, und Gott kam mit ihm zum Ziel.

Überraschungen sind vielen anderen Männern in der Bibel begegnet, sie können auch uns begegnen. Vielleicht nicht so dramatisch wie Paulus auf dem Weg nach Damaskus oder Philippus, der sich unversehens vom Heiligen Geist transportiert in fremden Gegenden wiederfindet… aber auch kleinere Begebenheiten können zum Ausgangspunkt eines Abenteuers im Auftrag Gottes werden. Wir müssen nur neugierig sein, wenn da ein Dornbusch brennt und die Flamme verzehrt ihn nicht. Wir müssen nur bereit sein, zu handeln, wenn unsere Fragen gestellt wurden, ob wir nun die göttlichen Antworten begreifen oder nicht.

Männer sind mutig – mehr oder weniger. Gott handelt oft überraschend – mit jedem Mann, der nicht nur zuhört, sondern auch losgeht. Ein Mann, ein Wort – sagt der Volksmund. Schön wäre es, wenn man von uns sagen könnte: Ein Mann, eine Tat.

P.S.: Dies war ein Beitrag für die (nicht mehr existierende) Zeitschrift Männer auf dem Weg

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