Sakrales und Säkulares friedlich vereint

88 und 78 Prozent

Bei anonymisierten Umfragen* unter verheirateten Christen in Amerika antworteten 22 Prozent der Frauen, dass sie nicht masturbieren – 78 Prozent tun es demnach. Die meisten von ihnen zwischen einmal monatlich und mehrmals wöchentlich. Bei den Männern gaben nur 12 Prozent an, dass sie nicht masturbieren, die Häufigkeit bei den verbleibenden 88 Prozent ist in etwa gleich verteilt.

Masturbation in der Ehe – eine verheimlichte Angelegenheit? Eher nicht: Nur 20 Prozent der befragten Männer meinten, ihre Frau wüsste nichts davon oder würde es vielleicht vermuten (ohne dass die Ehepartner darüber gesprochen hätten). Von den Frauen gaben lediglich 10 Prozent diese Antwort. Das zeigt, dass in den meisten Ehen bei dem Thema Offenheit herrscht. Dadurch, dass die Antworten anonym gegeben werden konnten, ist eine gewisse Ehrlichkeit anzunehmen.

Darüber spricht man nicht

Es gibt keinen Mangel an Literatur zum Thema christliche Ehe. Sowohl für die Partnerwahl als auch für den Beginn und den Alltag in der Ehe findet man eine reichliche Auswahl an Büchern. Auch für Teenager männlichen und weiblichen Geschlechts wartet eine Fülle von Literatur in den Regalen. Von Musik über Freundschaften bis zu Gemeindeaktivitäten werden allerlei Themen behandelt.

Allerdings werden viele Autoren plötzlich schwammig in den Formulierungen, wenn es um den Bereich der Sexualität geht und verstummen ganz, was die Masturbation betrifft. Häufig werden, wenn das Thema überhaupt angesprochen wird, Idealgemälde entworfen, die vom Alltag der Leserinnen und Leser weit entfernt sind oder Behauptungen aufgestellt, die jeglicher Grundlage in der Bibel entbehren. Aber wie so oft ist es dann so, dass es ja schließlich ein »christliches Buch« aus einem »christlichen Verlag« von einem »christlichen Autor« ist – und daher muss ja wohl alles stimmen, was es da zu lesen gibt.

Statt solcher Prämissen und Spekulationen wollen wir mal die Bibel befragen.

Der biblische Befund

Selbstbefriedigung ist ein Thema, das unter Christen kaum angesprochen wird, und wenn, dann meist mit dem erhobenen Verbotszeigefinger. Der Frage, ob es für das Tabu irgend eine biblische Begründung gibt, gingen Paul und Lory Byerly, Gründer der christlichen Eheberatung The Marriage Bed**, nach:

Wir haben eine Menge Erklärungen gehört, warum Masturbation Sünde sein soll, aber bisher ist niemand in der Lage gewesen, uns einen guten Grund zu nennen, warum die Bibel das nicht aussagt. Gibt es irgend eine sexuelle Sünde, die in der Bibel nicht klar definiert ist? Es gibt Schriftstellen, die eindeutig zu Unzucht, Ehebruch, Lust, Inzest, Vergewaltigung, Homosexualität und sogar Sex mit Tieren Stellung beziehen. Sicher ist der Drang zu masturbieren wesentlich mehr verbreitet als die Lust auf eine der genannten Sünden, und dennoch verliert die Bibel kein einziges Wort über das Thema. Wenn Gott es für notwendig hielt, uns zu sagen, dass wir keinen Sex mit Tieren haben sollen, warum fand er es dann nicht ebenso notwendig, uns die Masturbation zu untersagen?

Es scheinen nur drei Antworten möglich zu sein, warum „Du sollst nicht masturbieren!“ nicht in der Bibel steht.

1. Es wurde vergessen
2. Man braucht besonderes Wissen oder geistliche Einsichten, um diese Wahrheit zu erkennen
3. Masturbation ist keine sündige Handlung

Nummer 1 macht die Bibel unvollständig. Nummer 2 ist die Irrlehre des Gnostizismus. Somit bleibt nur Nummer 3 als Antwort übrig.

Mancher wird sagen, es spiele keine Rolle, warum Gott es nicht gesagt hat. Es spielt aber durchaus eine Rolle, wenn man dem, was die Bibel lehrt, ein Gebot hinzufügen will. Dann muss man nämlich auch erklären, warum Gott es nicht selbst gesagt hat, sondern jemandem eine Erkenntnis anvertraut, um das in der Bibel Versäumte zu ergänzen. Es fällt schon außerordentlich schwer, das Schweigen der Bibel zum Thema zu erklären, selbst wenn jemand überzeugt ist, Masturbation sei sündig.

Die meisten Argumente, die man von denjenigen hört, die Selbstbefriedigung für Sünde halten, sind nur so lange einigermaßen nachvollziehbar, wenn man von der Prämisse ausgeht, dass die ablehnende Auffassung richtig sei. Wenn jedoch jemand mit der Frage die Bibel studiert: „Ist das Sünde?“, anstatt nach Argumenten für eine bereits vorgefasste Meinung zu suchen, sind die Resultate ganz anders. Nur auf diese Weise kommen wir aber zu sauberen biblischen Antworten, egal um welches Thema es sich dreht.

Es gibt allerdings einige ernstzunehmende Vorbehalte, was die Masturbation von Eheleuten betrifft. Wir sind in der Ehe für einander da, auch um die sexuellen Bedürfnisse des Partners zu erfüllen. Daher kann man mit Fug und Recht Masturbation als falsch bezeichnen, wenn dadurch der Partner zu kurz kommt. Außerdem kann es durchaus ein Hinweis sein, dass mit der Sexualität in der Ehe etwas nicht im Gleichgewicht ist, wenn der Drang zur Masturbation übermäßig hervortritt. Andererseits ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Ehepartner einen stärkeren Sexualtrieb hat als der andere, so dass Masturbation sicher die bessere Lösung ist als Geschlechtsverkehr nur ihm oder ihr zuliebe – von außerehelichen Eskapaden ganz zu schweigen. Die sind nämlich tatsächlich Sünde, und das sagt die Bibel auch.
Ein weiterer Aspekt: Wenn Masturbation vor dem Partner verheimlicht wird, ist auf jeden Fall das Vertrauensverhältnis in der Ehe nicht so, wie es sein sollte. Und das ist eindeutig falsch, wenn zwei Menschen eins werden.

Dale Kaufman***, Jugendpastor seit über 20 Jahren, verheiratet und Vater von zwei Söhnen, hat den einzig in Frage kommenden biblischen Befund untersucht:

Die Gelehrten debattieren seit Jahren darüber, ob die Sünde Onans, die in 1. Mose 38, 8-10 berichtet wird, Masturbation war. »Da aber Onan wußte, dass die Nachkommen nicht ihm gehören würden, geschah es, wenn er zu der Frau seines Bruders einging, daß er den Samen auf die Erde fallen und verderben ließ, um seinem Bruder keine Nachkommen zu geben.«
Eigentlich wird jedem aufmerksamen Leser klar, dass die Sünde darin lag, Empfängnisverhütung zu betreiben, ein Coitus Interruptus vor dem Orgasmus. Er ging ja zu ihr ein, hatte Sex mit ihr… Es ging darum, dass er nicht seiner Verpflichtung im Gesetz nachkommen wollte, der Frau Nachwuchs zu schenken. Diese Vorschrift finden wir im mosaischen Gesetz in 5. Mose 25, 5-6: »Wenn Brüder zusammen wohnen und einer von ihnen stirbt und hat keinen Sohn, dann soll die Frau des Verstorbenen nicht auswärts einem fremden Mann angehören. Ihr Schwager soll zu ihr eingehen und sie sich zur Frau nehmen und mit ihr die Schwagerehe vollziehen.«

Der Begriff Onanie, der heute kaum noch verwendet wird, ist für die Masturbation ungeeignet. Allenfalls könnte man von Onanie sprechen, wenn jemand Empfängnisverhütung betreibt, mit welchen Mitteln auch immer. Die Schwagerehe ist Vergangenheit, zumal sie in vielen Fällen nicht mit der Monogamie vereinbar wäre. Wenn der überlebende Bruder nämlich schon eine Frau hat, und dann »zur Schwägerin eingehen« soll, wäre der Aufschrei in der Christenheit ein unüberhörbarer.

Heißt das nun, dass die 78 Prozent Frauen und 88 Prozent Männer aus der eingangs erwähnten Befragung unbedingt das Richtige tun? Das kommt, wie so oft, ganz auf den Einzelnen an. Kaufmann beschäftigt sich auch mit den Grenzen, die er in der Bibel findet:

Gibt es Grenzen, die wir im Wort Gottes für die Masturbation finden? In welchem Kontext wird eine an und für sich nicht sündige Handlung doch zur Sünde?

Die erste Grenze finden wir in 1. Korinther 6, 19-20. Im Zusammenhang mit sexueller Unmoral sagt Paulus: »Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, den ihr von Gott hab, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden. Verherrlicht nun Gott mit eurem Leib!«
Obwohl es keine Schriftstelle gibt, die Masturbation als Sünde bezeichnet, müssen wir uns fragen, inwieweit sie mit dem Heiligen Geist, der in uns wohnt, kollidiert. Die Masturbation, die jemand allein für sich betreibt, fügt dem Körper keinerlei Schaden zu, sie beinhaltet auch nicht die Vereinigung von zwei Körpern und Seelen, wie es beim Geschlechtsverkehr geschieht. Durch das Lösen der sexuellen Anspannung (vor allem bei Jugendlichen beider Geschlechter) kann sie sogar ein Schutzwall sein – vor sündigen Handlungen wie Sex vor der Ehe, Prostitution oder gleichgeschlechtlichen Abenteuern, wie sie vor allem Pubertierende auf Klassenreisen, Freizeiten oder bei der Übernachtung im Zimmer von Schulfreunden und -freundinnen häufig erleben.
So gesehen kann die Masturbation dazu beitragen, Gott mit dem Körper zu ehren, weil der Versuchung zur Sünde leichter zu widerstehen ist, wenn es das Ventil Masturbation für den aufgewühlten Hormonstrudel gibt.

Man sollte hier hinzufügen, dass alles, was an und für sich keine Sünde darstellt, missbraucht werden kann. Der Alkoholgenuss ist eindeutig keine Sünde, wohl aber warnt Paulus, der seinem Schüler Timotheus ausdrücklich anrät, nicht nur Wasser, sondern auch Wein zu trinken, an anderer Stelle vor der Trunkenheit.

Doch zurück zu Dale Kaufmanns Ausführungen.

Eine weitere Grenze sehen wir in Philipper 4, 8: »Übrigens, Brüder, alles, was wahr, alles, was ehrbar, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was liebenswert, alles, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, das erwägt!«
Hier geht es um unseren Geist, unsere Gedankenwelt. Einer der Gründe für die verbreitete Ablehnung der Masturbation unter Christen – ungeachtet der Praxis hinter verschlossenen Türen – ist zweifellos, dass die meisten Autoren, die sich zu Wort melden, davon ausgehen, beim Masturbieren müsse man sexuelle Phantasien haben, um einen Orgasmus zu erleben. Natürlich können sexuelle Phantasien beim Masturbieren dabei sein, aber es ist schlicht und einfach so, dass dies keine Voraussetzung ist. Es liegt beim Einzelnen, woran er denkt. Der Körper ist von Gott so geschaffen, dass er auf Stimulation der Geschlechtsorgane reagiert, aber das beinhaltet keineswegs den Zwang zu unreinen Gedanken. Es ist so notwendig, bei der Masturbation über das Mädchen von nebenan nachzudenken, wie es notwendig ist, sich beim Essen im McDonalds ein saftiges Steak auszumalen.

Umgekehrt gilt natürlich, dass das Betrachten von Pornographie sexuelle Erregung hervorrufen und Phantasien entfesseln kann – und somit der Schritt zur Sünde nicht weit ist. Die Sünde ist aber nicht die Selbstbefriedigung, sondern das, was ihr in solchen Fällen voraus geht beziehungsweise was sie gedanklich begleitet. Gerade bei Jugendlichen sind sexuelle Phantasien vollkommen normal, sie gehören zum Erwachsenwerden. Dazu bedarf es keiner Pornographie. Martin Luther soll gesagt haben: »Du kannst nicht verhindern, dass ein Vogelschwarm über deinen Kopf hinwegfliegt. Aber du kannst verhindern, dass er in deinen Haaren nistet.«

Pastor Kaufmann meint abschließend:

Wenn eine Person masturbiert, wird der Körper auf die Stimulation reagieren, gemäß der vom Schöpfer verliehenen physischen Reaktionen und Funktionen. Dazu sind keine unreinen Gedanken oder Phantasien notwendig. Dass dabei Entspannung und Wohlgefühle nicht ausbleiben, gehört ebenfalls zum Schöpfungsplan.

Ein legitimes Ventil

Bei der bereits zitierten Untersuchung wurde auch nach dem Alter gefragt, in dem die Männer die Masturbation »entdeckt« hatten. Alle Antworten schlossen den Zeitraum vom 7. Lebensjahr bis zum 15. Lebensjahr ein. Kein einziger nannte einen früheren oder späteren Zeitpunkt. Bei den Frauen ergab sich ein ähnliches Bild, allerdings gaben 6 % an, schon vor dem 7. Lebensjahr, und 3 % erst nach dem 25. Lebensjahr erstmals masturbiert zu haben.

Vor allem für männliche Teenager ist die Masturbation ein legitimer und sündloser Weg, mit dem Testosteronschub und dem hormonellen Chaos, den häufigen Erektionen und – bei Verdrängung fast unausweichlichen – sexuellen Phantasien fertig zu werden.

Das gilt aber auch für Singles nach der Pubertät. Dale Kaufman und seine Frau berichtet von unzähligen Seelsorgegesprächen mit Christen beider Geschlechter, die schließlich, weil der Sexualtrieb ja durch das Singledasein nicht ausgeschaltet ist und sie Masturbation für sündig hielten, auf die Verlockungen durch Prostitution oder aussereheliche Beziehungen hereingefallen sind. Das Verbot einer Handlung, die nirgends in der Bibel als Sünde auch nur angedeutet wird, führte zu einer Handlung, deren Sündhaftigkeit ausser Frage steht.

Natürlich fällt nicht jeder Alleinstehende darauf herein, wenn er nicht masturbiert. Es gibt Menschen beiderlei Geschlechtes, die ihren Sexualtrieb sublimieren und dabei keinen Mangel empfinden. Oder Menschen, die schlicht und einfach ohne auskommen und sich pudelwohl dabei fühlen. So wie es kein Verbot der Masturbation gibt, darf man selbstverständlich kein Gebot daraus machen: Du sollst masturbieren. Das wäre so fatal wie das andere Extrem.

Singles und Teenager, die weder Unzucht noch Ehebruch in Betracht ziehen wollen und deshalb masturbieren, sind das eine. Bei den eingangs zitierten Umfragen ging es dagegen um Eheleute. Wie sieht es nun damit aus?

Vertrauen in der Ehe

Es gehört auf jeden Fall zur Vertrauensbasis einer gelungenen Ehe, dass die Partner einander kennen, einschließlich der sexuellen Wünsche und Vorlieben des Partners. Viele verheiratete Paare, auch das zeigte die Umfrage, masturbieren zusammen, oder der Partner weiß zumindest davon (90 Prozent der Frauen und 80 Prozent der Männer gaben entsprechende Antworten). Masturbation als Bestandteil des ehelichen Sexuallebens ist weiter verbreitet, als mancher Puritaner annimmt. In den Armen des geliebten Menschen zum Orgasmus zu kommen schließt für viele Ehepaare auch Masturbation ein. Dabei ist die Nähe des Partners fast schon ein Garant dafür, dass keine unreinen Phantasien ausufern.

Nun mag man fragen: Wozu eigentlich, wenn doch dem Geschlechtsverkehr (abgesehen von Zeiten der beruflichen Trennung oder Krankheit etc.) nichts entgegen steht.

Die meisten befragten Ehepaare sehen Masturbation als Bereicherung, als eine Aktivität unter vielen anderen, meist als Bestandteil des Vorspieles. So normal und selbstverständlich wie alles andere, was im Ehebett geschieht.

Für viele Ehemänner (und deren Frauen) ist Masturbation darüber hinaus die Lösung eines gewaltigen Problems: Vorzeitiger Samenerguss. Gerade jüngere Männer leiden (meist mehr als ihre Frauen) darunter, dass sie viel zu schnell ejakulieren. Paare, die übereingekommen sind, dass der Mann (ob nun im Beisein der Frau oder alleine) zwei oder drei Stunden vor dem Zusammenkommen masturbiert, haben einen deutlichen Rückgang des zu schnellen Höhepunktes beim Mann festgestellt und sind darüber zu einem viel entspannteren, und auch für die Frau erfüllteren Sexualleben gekommen. Die Verkrampfung des Mannes (ich darf noch nicht, will noch nicht…) führt meist gerade zum gegenteiligen Effekt, er ejakuliert womöglich noch schneller oder hat überhaupt keinen Spaß am Sex. Welche Frau würde das wollen? Aus diesem Kreislauf konnten ganz natürlich und ohne jeglichen Krampf 87 % der vom vorzeitigen Samenerguss betroffenen Paare ausbrechen, als sie die Masturbation in ihr Sexleben integrierten.

Noch ein Pluspunkt für die Masturbation in der Ehe sei nicht verschwiegen: Aus nachvollziehbaren Gründen wissen die meisten christlichen Männer, wenn sie heiraten, erst einmal kaum etwas oder recht wenig über den Zusammenhang von weiblichem Orgasmus und Klitoris. Wenn ihnen die Partnerin zeigt, was ihr angenehm ist und wie sie den Höhepunkt erreicht, haben letztendlich beide etwas davon, denn ein erfülltes Sexualleben ist eine der Grundlagen für eine beständige und haltbare Ehe. Manche Frau meint: Er wird schon irgendwie herausfinden, was er tun soll. Das Problem ist: Wenn er sich von einschlägigen pornographischen Darstellungen des weiblichen Orgasmus fernhält, stehen die Chancen denkbar schlecht.

Erstaunlich viele Frauen berichten nach langjähriger Ehe, dass sie beim Zusammensein mit ihrem geliebten Ehemann noch nie einen Orgasmus erlebt haben. Häufig liegt das nicht an mangelndem Willen des Mannes, sondern schlicht an dessen Unkenntnis, was denn eine Klitoris und inwiefern sie für den weiblichen Orgasmus entscheidend ist.

Dies gilt übrigens nicht nur für Männer, manche Frau hat keine Ahnung, warum zwar der Mann einen Orgasmus erlebt, sie selbst jedoch nie. Das gemeinsame Masturbieren oder das Masturbieren allein mit Wissen des Ehepartners (was viele anfangs vorziehen) vermag so mancher schal gewordenen Ehebeziehung neuen oder überhaupt erst erotischen Schwung zu geben.

Übrigens gibt es, führt der amerikanische Forscher B. A. Robinson aus, einen Hinweis im Mosaischen Gesetz, dass Masturbation in der ehelichen Beziehung als normal angesehen wurde:

Unter den 613 Vorschriften, die als mosaisches Gesetz zusammengefasst werden, wird auch aufgeführt, dass ein Mann unrein wird, sobald er ejakuliert hat (so wie jede Frau unrein wird, wenn sie ihre Menstruation hat, siehe 3. Mose 15 ab Vers 19).

Die folgenden drei Verse aus 3. Mose 15 werden häufig so ausgelegt, dass es in Vers 16 und 17 um die Ejakulation ohne Anwesenheit der Partnerin geht, während Vers 18 eindeutig auf den Samenausstoß beim Zusammensein bezogen ist:

16-17: Und wenn einem Mann der Samenerguß entgeht, dann soll er sein ganzes Fleisch im Wasser baden, und er wird bis zum Abend unrein sein. Und jedes Kleid und jedes Fell, worauf der Samenerguß kommt, soll im Wasser gewaschen werden, und es wird bis zum Abend unrein sein.

18: Und eine Frau, bei der ein Mann liegt mit Samenerguß, – sie sollen sich im Wasser baden und werden bis zum Abend unrein sein.

Diese Reinheitsvorschriften (sowie fast alle anderen aus dem mosaischen Gesetz) werden von den Christen heute generell ignoriert. Man könnte nun natürlich behaupten, dass hier vom nächtlichen Samenerguss die Rede ist, aber es gibt dafür genauso viele Indizien wie für die Interpretation, dass es um Masturbation geht. Nämlich gar keine.

Kein Masturbationsgebot

Wichtig ist jedoch, um es noch einmal deutlich zu wiederholen: Nicht masturbieren ist genauso in Ordnung. Niemand darf zu irgend einem Verhalten gedrängt oder gar gezwungen werden, auch nicht vom Ehepartner. Über Wünsche und Ideen reden ist das eine, aber wenn der Partner oder die Partnerin etwas nicht will, dann wäre es völlig inakzeptabel, darauf zu bestehen. Es gibt genug Menschen, die ohne Masturbation zufrieden und glücklich leben; warum sollten sie daran etwas ändern?

Die Diskussionen werden wohl weiter gehen. Dieser Artikel schildert eine Sicht der Dinge, die sich auf den biblischen Befund stützt: Kein Wort darüber in der Heiligen Schrift. Masturbation ist nicht nur erlaubt, sondern bringt in vielen Fällen positive Ergebnisse. Doch ein Gebot daraus zu machen, wäre der falscheste aller möglichen Wege, mit sich dem Thema zu beschäftigen.

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[Weitere Informationen und Quellen]

* Die Umfragen (in Englisch) sind für angemeldete User zu finden in diesem Forum: The Marriage Bed Forum

** Die Hauptseite der Eheberatung (in Englisch) ist hier zu finden: The Marriage Bed Main Page

*** Mehr über Pastor Dale Kaufmann: Christian Speakers / Love Life Ministries

Eines der wenigen bezüglich Masturbation unverkrampften Bücher für Teenager auf Deutsch ist Alles Sex oder was? von Jürgen Höppner.

Weitere Informationen aus christlicher Sicht (in Englisch):

* Boys Under Attack about Christian Concerns
* How Masturbation became known as a sin

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Dieser Artikel ist in der Zeitschrift The Race, Ausgabe 30, erschienen.

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Kommentare zu: "Dauerkontroverse Masturbation" (32)

  1. Susanne Bendhauer schrieb:

    Danke für diesen – einzigartigen! – Beitrag in The Race. Ich dachte schon, ich sei die einzige Frau auf der ganzen Welt, die gerne masturbiert, mit und ohne meinen Mann. Kein Mensch scheint es zuzugeben und fast alle scheinen es zu tun. Komische Welt…

  2. […] Und dies ist der Artikel: Dauerkontroverse Masturbation […]

  3. hab wieder mal nach der „niederlage“ im internet nach argumenten und gründen gesucht, warum masturbation unzucht, und damit sünde sein soll – nach auslegung vieler bibelgelehrter.. und warum ich es als als notgedrungen allein lebender mann nicht schaffe, mehr als 4 – 5 wochen dem „sündigen“ trieb standzuhalten.
    ich will mich ja nicht auf dem weg der heiligung rein waschen, aber dieser artikel hat mir jetzt doch etwas von der last genommen, nicht „siegreich“ sein zu können.
    und so habe ich es auch oft in der ehe empfunden, masturbation als ventil, um den partner nicht so oft zu bedrängen.
    es darf halt nicht zum selbstgänger werden.
    also, vielen dank für diese auslegung.

  4. Hallo Norbert,

    schön, dass Dir diese Gedanken helfen konnten, innerlich dem Frieden näher zu kommen. Wie viel Verkrampfung wird doch diesbezüglich durch die »Bibelgelehrten« angerichtet… – und es hat noch kein einziger von ihnen die Stelle in der Bibel aufzeigen können, an der »du sollst nicht masturbieren« steht.

    Auch bei anderen Theman trägt so mancher eine Last mit sich herum, die ihm von Menschen auferlegt wurde, während doch gerade die Christen zur Freiheit berufen sind…

  5. Bastian Neubert schrieb:

    Danke das ihr diese Erklärung ins Internet reingestellt habt !
    Auch mein Drang zieht mich immer wieder zur Selbstbefriedigung und da wusste ich nicht ob das eine Sünde ist. Ich wollte natürlich eine Antwort drauf und sucht im Internet nach eine. Aber ich fand immer nur Texte wo beschrieben war das Selbstbefiedigung eine Sünde ist aber ohne eindeutige Begründung warum ! Bis ich auf diese Seite draf wo ich lass das es viele Christen machen und es auch keine Sünde zu scheinen ist ! Ich bin für diesen Text wirklich dankbar.

    Aber um sich wirklich sicher zu gehen könnte man ja Jesus und Gott durch den Heiligen Geist fragen ( z.B Sprachengebet) da bekommt man eine 100 % wahre Antwort !!

  6. Elbersfelder 1871 – 3. Mose Kap. 15 vers 16+17:

    16Und wenn einem Manne der Samenerguß entgeht, so soll er sein ganzes Fleisch im Wasser baden, und er wird unrein sein bis an den Abend. 17Und jedes Kleid und jedes Fell, worauf der Samenerguß kommt, soll im Wasser gewaschen werden, und es wird unrein sein bis an den Abend.

  7. Wenn die Reinheitsgebote schon bei Jesus selbst gelten …wieviel mehr dann bei denen diese IHM nachfolgen wollen ???

    Lukas 2 ab vers 21:

    21Und als acht Tage vollendet waren, da man das Kind beschneiden mußte, wurde ihm der Name Jesus gegeben, den der Engel genannt hatte, ehe er im Mutterleibe empfangen worden war. 22Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetze Moses vollendet waren, brachten sie ihn nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen, 23wie im Gesetze des Herrn geschrieben steht: «Alle männliche Erstgeburt soll dem Herrn geheiligt heißen», 24und um ein Opfer darzubringen, wie im Gesetze des Herrn geboten ist, ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.

  8. 1Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, daß wir Gottes Kinder heißen sollen! Darum erkennt uns die Welt nicht, weil sie Ihn nicht erkannt hat. 2Geliebte, wir sind nun Gottes Kinder, und noch ist nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen aber, daß, wenn Er offenbar werden wird, wir Ihm ähnlich sein werden; denn wir werden Ihn sehen, wie er ist. 3Und ein jeglicher, der diese Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich, gleichwie auch Er rein ist.
    (1. Johannes 3 vers 1-3)

    1. Johannes 1,9: So wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend.

  9. […] The busiest day of the year was November 19th with 57 views. The most popular post that day was Dauerkontroverse Masturbation. […]

  10. susanne schrieb:

    Danke für diesen Artikel und meiner Namenskollegin Susanne!
    Mir ergeht es genau so wie ihr und auch ich dachte ich wäre die einzige Frau
    die so etwas tut …. mit und ohne Mann.

  11. Interessanter Artikel…
    noch ein Gedankenanstoß dazu. Wenn wir Masturbation „Selbstbefriedigung“ nennen,
    müssten die Gedanken sich neu drehen :-))

  12. Religionslehrer schrieb:

    Hallo,

    Selbstbefriedigung ist KEINE Sünde!
    Selbstbefriedigung kommt in der Bibel gar nicht vor. Die Meinung, Sb sei Sünde und „unrein“ (unrein auch die weibliche Periode!) ist reine Willkür. Nach Erkenntnissen der heutigen Medizin und Sexualwissenschaft ist Sb eine eigenständige und wertvolle Form der Sexualität. Der Sexualtrieb ist uns Menschen angeboren und wir behalten ihn ein Leben lang. Er ist NICHT auf den ehelichen Geschlechtsverkehr beschränkt! Schon Embryos im Mutterleib berühren ihre Geschlechtsteile. Das beweisen Ultraschallaufnahmen. Für Jugendliche ist Sb Triebabfuhr und Einüben ihrer Sexualität (die laut Schöpfungsbericht von Gott gegeben ist). Ich empfinde es als ungeheure Arroganz und Größenwahn, wenn „Christen“ Menschen, die sich selbst befriedigen, verachten und allgemein gültige Verbote aufstellen wollen. Die jahrhundertelange Unterdrückung der Sb durch Mediziner und Kirchenväter (gibt es eigentlich auch Kirchenmütter?) hat viel Not und Elend über die Menschheit gebracht. Ich erinnere nur an die zahlreichen Klitoridektomien zur „Behandlung“ der weiblichen Masturbation.
    Selbstbefriedigung – eine Sünde? NEIN!

  13. Jack the Ripper schrieb:

    Die römisch-katholische Kirche brandmarkt die Selbstbefriedigung als eine „in sich schwere ordnungswidrige Handlung“ (Katechismus der Katholischen Kirche, KKK, Nr. 2352), also Sünde. Lange Zeit führte sie (wie auch viele weltliche Tugendwächter) die alttestamentarische Onan-Geschichte als „Beweis“ an. Onan jedoch vollzog keine SB, sondern Coitus interruptus, also Empfängnisverhütung. Er wollte seinem verstorbenen Bruder und dessen Witwe keine Nachkommen verschaffen und verstieß damit gegen das jüdische Gesetz und das Gebot Gottes. Für seinen Ungehorsam wurde er von Gott mit dem Tode bestraft. Selbstbefriedigung wird in der Bibel nicht erwähnt. Die Meinung, SB sei Sünde, ist biblisch nicht belegbar. In der evangelischen und neuapostolischen Kirche wird SB nicht als Sünde aufgefasst.
    Das SB-Verbot in der katholischen Kirche muss mit ihrer allgemein äußerst restriktiven Sexualmoral gesehen werden. Vor- und außerehelicher Sex, ehelicher Geschlechtsverkehr – natürlich zwischen Mann und Frau! -ohne Offenheit zur Zeugung, Selbstbefriedigung, Homosexualität, Empfängnisverhütung – alles Sünde! Nur gut, dass die Mehrheit der Schäfchen sich heutzutage nicht mehr um diese Verbote kümmert: Vorehelicher Sex, Masturbation und Schwangerschaftsverhütung sind für viele Katholiken Selbstverständlichkeiten.

  14. Religionslehrer schrieb:

    Der alltägliche Wahnsinn in „christlichen“ Internetforen zeigt, welch ein gebrochenes Verhältnis „Christen“ zur vorehelichen Sexualität haben. Besonders die Selbstbefriedigung ist weiterhin ein rotes Tuch für reaktionäre Christen. Auslöser des Ganzen sind die offiziellen Haltungen von Kirchen, wie z.B. der römisch-katholischen Kirche, die in der Selbstbefriedigung eine „absichtliche Erregung der Geschlechtsorgane, mit dem Ziel, geschlechtliche Lust hervorzurufen“, wie auch jeglicher freiwillige, außereheliche „Gebrauch der Geschlechtskraft“, eine „in sich schwere ordnungswidrige Handlung“ sehen. Allerdings werden in der Seelsorge Faktoren wie „affektive Unreife, die Macht eingefleischter Gewohnheiten, Angstzustände und weitere psychische oder gesellschaftliche Faktoren“ berücksichtigt, „welche die moralische Schuld vermindern oder sogar auf ein Minimum beschränken können.“ (Katechismus der Katholischen Kirche, KKK, Nr. 2352).
    Diese unnatürliche Einstellung der Kirchen wirkte sich Jahrtausende lang auf die Menschheit aus und ist heute nicht nur auf die römisch-katholische Kirche beschränkt, sondern besonders evangelikale Kirchen und fundamentalistische christliche Gemeinschaften, aber auch Sondergruppierungen wie z.B. die Mormonen, sind diesem Leitbild verfallen. Man versucht besonders jungen Menschen Schuldgefühle einzureden, wenn sie masturbieren. Das Leitbild dieser „Christen“ ist der bis zur Ehe absolut keusch lebende Mensch, danach aber wird von demselben Gläubigen in der Ehe erwartet, dass die ehelichen „Pflichten“ erfüllt werden.
    Das religiöse Sündengeschwafel diente und dient nur dazu, Menschen ein schlechtes Gewissen aufzuschwatzen. Das funktioniert in Sachen Sexualität hervorragend, weil es sich um einen Trieb handelt. Wer das Gewissen des Menschen beherrscht, beherrscht den Menschen.

  15. stern5 schrieb:

    Damit es nicht so ernst wird, hier zwei religiöse Witze:

    1) Wenn jemand in einem dunklen Tunnel ohne Licht eine schwarze Katze sucht, dann ist das ein Psychologe. Wenn dann noch jemand ruft: „Ich hab‘ sie!“, dann ist das ein Theologe!

    2) Der Priester: „Mein Sohn, wirst du von unkeuschen Gedanken geplagt?“ Der junge Mann: „Im Gegenteil, sie machen mir Vergnügen!“

  16. stern5 schrieb:

    Masturbanten schmoren alle für immer in der Hölle. Und da mehr oder weniger jede(r) schon mal masturbiert hat, ist das auch der Grund, warum es im Himmel so leer ist. Da sind einfach nur komische Leute, z.B. solche, die sich mit Sprengstoffgürteln inmitten einer Gruppe Masturbierender in die Luft sprengen.

  17. […] Grundsätzliche Gedanken zur Masturbation stehen in diesem Artikel: Ein frommes Tabu […]

  18. Christian schrieb:

    Lieber Günter,

    durch den Joggathon bin ich mal auf Deinem Blogg gelandet. Habe hin- und hergeklickt und bin u.A. auch hier gelandet.
    Meine Auffassung hierzu: Die Masturbation als körperliche Handlung mag biblisch nicht verboten sein. Wenn ein Mensch es schafft, gedanklich rein zu bleiben – bitte sehr.
    Aber führt einen die Selbstbefriedigung nicht allzuschnell an Gedanken der Unzucht, wie z.B. Sex mit „Dritten“ (Nicht-Ehepartnern) oder sonst irgendwelchen Perversionen?
    Darin sehe ich die erhebliche Gefahr! Und was heißt da „Schweigen der Bibel“? Es gibt doch zich Stellen, an denen sowohl Paulus und noch mehr Jesus intensiv vor der Unzucht warnt! Hütet Euch vor der Unzucht! Flieht vor der Unzucht! usw. Es steht und fällt meines Erachtens mit der Herzenshaltung. Wohin führen einen die Gedanken, wenn man in der Selbstbefriedigung ist?
    Jesus hat als Andeutung für den Maßstab schon darauf hingewiesen: Wer der Frau eines anderen lustvoll hinterherschaut, hat in seinem Herzen schon Ehebruch begangen.
    Ich denke, die Warnungen sind klar und deutlich, die Unzucht darf keinesfalls unterschätzt werden.
    Wer einer derartigen Sucht verfällt kann natürlich wieder umkehren. Jesus kann Vergebung schenken und damit auch Freiheit von Selbstbefriedigung gewähren. Wie so etwas geht und welche Herzenshaltung hierzu erforderlich ist, zeigt meines Erachtens Psalm 51 und natürlich Jakobus 4 (insbes. Verse 7-10).

    Also, wenn Menschen durch die Selbstbefriedigung zu ausschweifenden Phantasien verleitet werden (oder auch in der Reihenfolge andersrum), ist eine Umkehr dringend geboten (welche Bibelstellen soll man hier noch zitieren? 1. Korinther 10 vielleicht.)

    Wenn Menschen ein vor Gott reines Herz bewahren können und in der Masturbation von jeglicher Unzucht frei bleiben, dann kann man sie wohl als Teil des Lebens dankbar annehmen.

    Liebe Grüße, Christian

    • Lieber Christian,
      Unzucht und Masturbation gleichzusetzen, hat einiges damit zu tun, was im Artikel so formuliert wird: »Die meisten Argumente, die man von denjenigen hört, die Selbstbefriedigung für Sünde halten, sind nur so lange einigermaßen nachvollziehbar, wenn man von der Prämisse ausgeht, dass die ablehnende Auffassung richtig sei. Wenn jedoch jemand mit der Frage die Bibel studiert: „Ist das Sünde?”, anstatt nach Argumenten für eine bereits vorgefasste Meinung zu suchen, sind die Resultate ganz anders.«
      Wie ebenfalls im Artikel anklingt, gibt es natürlich auch kein Masturbationsgebot – sondern aus meiner Sicht eben die auch von Paulus viel beschworene Freiheit, zu einer persönlichen Einstellung zu kommen. Wer daraus dann ein Gesetz für andere Menschen ableitet, sei es nun pro oder contra, begibt sich mit den viel gescholtenen Pharisäern in eine traute Gemeinschaft.
      Ich bleibe – der Artikel ist ja schon uralt – auch heute noch dabei, dass man aus der Bibel ein Masturbationsverbot nicht herleiten kann, wenn man ohne vorgefasstes Resultat an die Sache herangeht. Wenn Paulus (beispielsweise) das Wort »Unzucht« gebraucht, meint er ganz konkrete sexuelle Handlungen, zu denen die Selbstbefriedigung eindeutig nicht gehört. Das ist aus dem jeweiligen Zusammenhang sehr leicht zu erkennen.
      Aber wie gesagt – meine Meinung muss nicht die eines anderen Menschen sein und ist schon gar nicht so etwas wie wein Gesetz. Das sei ferne.
      Mit herzlichen Grüßen, Günter

      • Christian schrieb:

        Ja, Selbstbefriedigung wird nicht explizit genannt. Dennoch: Jesus warnt schon vor unzüchtigen Gedanken. Vor sexueller Unreinheit soll geflohen werden. Ist nun Masturbation einen Flucht vor sexueller Unreinheit,
        oder gibt man ihr damit nicht eher Raum?
        Und die Ehe soll von allen in Ehren gehalten werden. Der eheliche Verkehr wird als ehrenwert ausgewiesen.
        z.B. in Hebräer 13 wird sogleich danach erwähnt, dass die Ehebrecher und Unzüchtigen gerichtet werden. Wird das „selbst berühren“ als ehrenwert oder „zulässig“ genannt? Nein, es wird der eheliche Verkehr als sinnvolle und gute Auslebung gezeigt.
        Natürlich sind wir frei vom Gesetz, weil Jesus das Gesetz in Gänze für uns erfüllt hat. Durch Jesus den Gerechten sind wir mit Gott versöhnt. Aber genau dieser Jesus warnt meines Erachtens sehr deutlich vor jeglicher Unzucht. Mehrfach wird vor Täuschungen und ihren Folgen gewarnt.
        Gewiss, der Herr gewährt denen Einsicht, die er dafür erwählt hat und wir bestehen aus seinem freien Entschluss heraus vor ihm. Und nicht durch irgendwelche „Frömmigkeit“.
        Wir haben enorme Freiheit erhalten, Freiheit zum tun des Guten.
        „An nichts dürfen wir unsere Freiheit verlieren“. Fordert das Wort Gottes nicht dazu auf, die körperlichen Begierden durch die Kraft des Heiligen Geistes zu überwinden? Dass man „seiner selbst stirbt“? Und wie gesagt, als ehrenwerte Handlung wird explizit die Ehe genannt. Und wenn man nun sagt, man hat einen „geheimen“ Mittelbereich gefunden, der nicht explizit als verboten erwähnt wird, halte ich dies für ziemlich „gestreckt“.
        Wenn wir an Mose, König David, die Apostel Petrus oder Paulus denken. Hätten sie Selbstbefriedigung als Ausweg / Erleichterung oder selbst als „Dankbarkeit“ gewählt?

        Zusammenfassend sage ich: Der Herr hat uns das Leben gewährt. Wer körperlich sowas in Freiheit tun kann, ohne davon gefangen zu sein und ohne auch nur gedanklich irgendwelcher Unzucht zu folgen, kann damit Glück haben. Die Gefahr ist aber gewaltig. Ich befürchte, dass damit schnell die Tür für unzüchtige Gedanken geöffnet wird. Und die Thematik ist nicht „nebensächlich“, weil Christus z.B. über lustvolle Ausrichtungen im Verstand spricht und damit verbundene Verlorenheit. Ich persönlich würde damit nicht spielen. Kann man z.B. ehrlich sagen, dass man sich selbst ablegt und Christus nachfolgt, oder dass man in ehelicher Freiheit lebt, oder, so man nicht verheiratet ist, in Enthaltsamkeit, während man die Selbstbefriedigung wählt? Ist Selbstbefriedigung ein Weg den Gott gegeben hat, um sexuellen Begierden zu „entgehen“ oder sie sauber auszuleben? Oder ist es eher ein Weg, den der Mensch wählt?
        Meine Befürchtung ist, dass viele Menschen die Selbstbefriedigung wählen, weil sie nicht glauben, dass Gott ihnen den Sieg und Freiheit über körperliche Begierden geben kann/will.

        Mit herzlichen und lieben Grüßen, Christian

      • Nun ja … da werden wir uns nicht einigen. Macht ja nichts. Ich zitiere abschließend noch mal aus dem Artikel, um den es geht:

        »Wir haben eine Menge Erklärungen gehört, warum Masturbation Sünde sein soll, aber bisher ist niemand in der Lage gewesen, uns einen guten Grund zu nennen, warum die Bibel das nicht aussagt. Gibt es irgend eine sexuelle Sünde, die in der Bibel nicht klar definiert ist? Es gibt Schriftstellen, die eindeutig zu Unzucht, Ehebruch, Lust, Inzest, Vergewaltigung, Homosexualität und sogar Sex mit Tieren Stellung beziehen. Sicher ist der Drang zu masturbieren wesentlich mehr verbreitet als die Lust auf eine der genannten Sünden, und dennoch verliert die Bibel kein einziges Wort über das Thema. Wenn Gott es für notwendig hielt, uns zu sagen, dass wir keinen Sex mit Tieren haben sollen, warum fand er es dann nicht ebenso notwendig, uns die Masturbation zu untersagen?«

        Gut, dass man nicht in allen Punkten einer Meinung sein muss …

        Herzliche Grüße, Günter

      • Axel Kramer schrieb:

        Hallo Günther,

        >>>Wenn Paulus (beispielsweise) das Wort »Unzucht« gebraucht, meint er ganz konkrete sexuelle Handlungen, zu denen die Selbstbefriedigung eindeutig nicht gehört. Das ist aus dem jeweiligen Zusammenhang sehr leicht zu erkennen.>>>

        Inwiefern gehört die Selbstbefriedigung eindeutig nicht zu diesen Handlungen, und inwiefern ist das aus dem Zusammenhang sehr leicht zu erkennen? Für eine entsprechende Erläuterung wäre ich dankbar.

        Gruß Axel

      • Günter J. Matthia schrieb:

        Hallo Axel,

        eine recht gut gemachte Erklärung des Begriffes, den Luther und andere deutsche Übersetzungen gerne mit »Unzucht« bezeichnen, gibt es hier: http://www.bibelinfo.net/images/Bibel/Griech_Beg2/begr1101.pdf

        Der Zusammenhang wird klar, wenn der Begriff porneia verstanden wird.

        Gruß, Günter

  19. Hallo.
    Ich finde diese Seite sehr gut. Jahrelang habe ich mich mit diesem Thema herumgeschlagen
    und oft versucht, ohne Selbstbefriedigung zu leben. Ich bin single.
    Einmal, am Anfang meines Christseins habe ich es geschafft, fast 6 Monate ohne Mast. zu leben. Ich bin fast bekloppt geworden.
    Ich habe es immer und immer wieder versucht. Ich habe es nicht geschafft! Ich habe Gott verzweifelt angebetet, dass er mir diese „Sünde“ nehmen soll. Hat er aber nicht.(Nur nebenbei: warum sollte er mich so quälen?)
    Auch ich habe sehr oft im Internet gelesen, dass Masturbation Sünde sei.
    Ich bin langsam aber sicher, auch dank dieser Seite, auf dem Weg, Masturbation als normal und NICHT als Sünde anzusehen.
    Auch ich habe absolut nichts konkretes in der Bibel gefunden, das es als Sünde darstellt.
    Ich hab ein dickes evangelikales Dogmatik-Buch (systematische Theologie).
    Sinngemäß habe ich letztens darin gelesen, dass, wenn etwas nicht ausdrücklich angesprochen (bzw verboten ist), man nicht daraus eine Regel erstellen sollte.

    In diesem Sinne hoffe ich, dass viele Leute diese Seite lesen werden, denn es ist
    glaube ich viel Leid entstanden durch diese Thema, nämlich, dass Masturbation Sünde ist.

    Ich bin jetzt sicher: Masturbation ist KEINE Sünde!

    Vielen Dank an den Autor.

    • Freut mich, wenn der Artikel dabei helfen konnte, unsinnige und unnötige Schuldkomplexe zu beerdigen, die einst (lang ist’s her, dennoch wirkt es nach) von der katholischen Kirche, nicht etwa seitens der Bibelautoren, den Menschen aufgebürdet wurden.

  20. Was mir auffällt ist dass der Christian als Maßstab und Grundlage immerfort die Bibel heranzieht und DARAUS zitiert und der Günter ständig nicht die Bibel sondern das von ihm beworbene Buch.
    Der eine zitiert aus der Bibel und sieht diese als Maßstab und der andere auf ein von Menschen erdachtes Buch.
    Dass fällt mir auf.

  21. Bernard Gui schrieb:

    Eine noch viel größere Sünde ist es die Menschen mit verweltlichten Mainstreammeinungen wie diese Seite es tut zu verführen. Natürlich ist Onanie Sünde und man sollte versuchen das zu lassen auch wenns dauert. Persönlich glaube ich nicht das man deshalb gleich in der Hölle landet aber Sünde ist es allemal und oftmals führt eine Sünde dadurch zu weiteren anderen Sünden. Hier wurde völlig falsch aufgezählt in 3 Punkten meine ich.
    Warum schreibe ich das ?: Aus eigener sehr leidvoller langer Erfahrung hatte ich die Sünde der Spielsucht die auch nicht in der Bibel steht so wie von Selbstbefriedigung auch nichts darin steht. Daraus kann ich dann doch nicht wie diese Webseite auf die ich zufällig gestoßen bin schließen das dies nicht Sünde wäre. In meinem fall (römisch-katholisch) suchte ich überall nach dem Thema spielsucht aber bin nicht fündig geworden. Nun fand ich (man wird lachen) bei den zeugen Jehovas eine schlüssige und vernünftige Erklärung. Natürlich ist ihre Lehre eine Irrlehre aber das heißt ja nicht das sie in allem falsch liegen.

    So und nimmt man relevante Stellen aus der bibel zum Thema Onanie und man zählt eins und eins zusammen, dann ist das schon eine Sünde die den Menschen bzw. sich selber schaden. Deshalb versuchen das bleiben zu lassen. Wird nicht von jetzt auf nachher gehen aber es ist nicht unmöglich. Am schlechtesten ist aber selbst wenn jemand davon nicht wegkommt wenn man eine Sünde auch noch gut heißt. Das ist die noch größere Sünde.

    • Ach Herr »Gui«, allein die Wahl Ihres Aliasnamens offenbart, wes Geistes Kind Sie sind: »Bernard Gui, war ein südfranzösischer Dominikaner und Inquisitor. Er verfasste ein Handbuch der Inquisition und zahlreiche historiografische, hagiografische und ordensgeschichtliche Schriften.«
      Na dann viel Spaß weiterhin im WWW auf Ihren inqusitorischen Pfaden.

      • Bernard Gui schrieb:

        Ach der Mainstreamnachplapperer persönlich versucht sich zu äußern. Wer Bernard Gui war, weiß ich selber aber wer von Kirchengeschichte und kath.Lehre nichts versteht sollte doch einfach schweigen und eventuell mal versuchen sich nicht nur aus antikirchlichen Quellen zu informieren. Ein gut gemeinter Rat. Abschließen möchte ich mit:

        Extra ecclesiam nulla salus

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