Zurück nach Korinth? – Die Vorrede

Als Leseprobe zum Buch Zurück nach Korinth? hier das Vorwort:

Wie kommt eigentlich jemand, der kein Theologe ist, auf die Idee, seine Gedanken und Empfindungen zu einem Brief in der Bibel als Buch zu verfassen? Noch dazu so, dass die Leser nicht Theologie, Griechisch oder historische Forschung studiert haben müssen, um den Text zu verstehen?
Ich bin nicht der einzige, der so etwas unternimmt. Für andere Autoren kann ich nicht sprechen, ich will Ihnen, liebe Leser, aber zumindest verraten, wie ich dazu komme.
Nachdem mein Buch »Ich aber habe für dich gebetet« über das Gebet im Neuen Testament erschienen war, bekam ich von vielen Lesern sinngemäß zu hören: »Endlich einmal eine Herangehensweise, die jeder verstehen und nachvollziehen kann.« Einige rühmten mein schmales Werk sogar als bahnbrechend und einzigartig… nun ja, ich selbst würde es nicht so hoch ansiedeln, sondern – und das mag in der Tat einzigartig sein – es allenfalls als Prosa mit sachlichem Bezug bezeichnen. »Es liest sich wie ein Roman«, meinte ein Leser, und genau das war bei dem Buch über das Gebet und ist auch bei diesem mein Anliegen.
Ich halte grundsätzlich wenig von der Trennung in Sachbücher und Literatur. Die Bibel selbst ist ja kein Sachbuch, also warum muss ein Werk, das sich mit dem Inhalt der Heiligen Schrift beschäftigt, im Tonfall eines wissenschaftlichen Kommentars verfasst und im Regal mit den Sachbüchern zu finden sein? Eben. Es gibt keinen vernünftigen Grund. Jedenfalls ist dieses vorliegende Werk über den ersten Korintherbrief weder Sachbuch noch Erzählung, sondern einfach ein Text, der fragt: Unterscheidet sich die Gemeinde Jesu Christi heute eigentlich wesentlich von der Gemeinde, an die Paulus geschrieben hat? Oder anders formuliert: Was hat Paulus uns heute und hier zu sagen?
Die beiden uns erhaltenen Briefe des Apostel Paulus an die Gläubigen in Korinth sind, wie seine anderen Schriften, alles andere als nüchtern, abgeklärt oder langweilig. Sie sind vielmehr provokativ, spannend, leidenschaftlich und manchmal ganz schön kontrovers, wie wir am Beispiel des ersten Korintherbriefes sehen werden – vorausgesetzt der geschätzte Leser folgt mir durch diese Seiten.
In diesem Buch muss ich etwas tun, was ich an und für sich überhaupt nicht mag: Ich muss den Brief, den der Apostel geschrieben hat, in Stücke zerteilen. Ich bitte die Leser sehr eindringlich darum, niemals aus den Augen zu verlieren, dass wir es trotz der Unterteilung, die ich vornehme, mit einem Brief zu tun haben.
Ein Brief wird normalerweise vom Beginn (»Liebe Tante Erna,«) bis zum Schluss (»Mit Gruß und Kuss, dein Julius«) gelesen. Zwischen Anrede und Gruß stehen je nach Anlass und Autor wenige oder viele Worte.
Nehmen wir mal an, ein verliebter Jüngling schreibt der Herzallerliebsten einen Liebesbrief. Sie wird doch hoffentlich nicht auf die absonderliche Idee kommen, aus der dritten Seite die vierte Zeile von oben zu lesen, und daraus irgendwelche Schlüsse ziehen zu wollen?
Genau das aber wird vielerorts und permanent mit der Bibel beziehungsweise ihren Teilen getan. Man fischt sich irgendwo einen Satz heraus, fügt einen zweiten aus einem ganz anderen biblischen Buch hinzu, und fertig ist die theologische Begründung für die abstrusen Ideen, denen man so häufig begegnet. Nicht selten werden solche abenteuerlichen Lehrgebäude von geistlichen Leitern, die eine theologische Ausbildung genossen haben, konstruiert. Die »normalen Schäfchen« überprüfen gar nicht, ob es sich überhaupt so verhält, wie es der geachtete Pastor Soundso verkündet. Die Christen sind – leider leider – häufig wieder so unmündig, wie es zur Zeit Martin Luthers üblich war, als die Bibel nur denen vorlag, die Latein oder Griechisch gelernt hatten. Viele Gläubige heute verlassen sich einfach blind auf das, was jemand auf der Kanzel so von sich gibt …
Deshalb werde ich nicht müde, immer wieder im Gespräch mit Menschen zu sagen und in meinen Texten zu schreiben, dass jeder Christ eingeladen ist und Gewinn daraus erzielen kann, selbst in der Bibel zu lesen und sie dabei so zu behandeln, wie man mit anderen Büchern auch umgeht. Ich würde jedenfalls niemals aus einem Roman irgendwo vier, fünf Sätze lesen und dann meinen, ich wüsste, worum es geht, was der Autor mir zu sagen wünscht und wie die Zusammenhänge aussehen.
Bücher wie dieses, das Sie nun in der Hand halten, sollen dabei helfen, die Zusammenhänge in den Blick zu bekommen und auch manches zu verstehen, was uns heute nicht mehr geläufig ist. Ich gehe mit dem Leser vom ersten Satz bis zum letzten Satz durch den Brief und erläutere dabei, was mir schwer verständlich scheint oder was mir besonders wichtig wird, immer mit dem Zusammenhang im Auge, den Paulus beim Schreiben oder diktieren sah.
Das heißt nicht, dass ich recht habe. Ich kann und will nur das schildern, was ich selbst verstanden und empfunden habe. Sie, lieber Leser, mögen an ganz anderen Stellen hellhörig werden als ich. Sie werden in manchen Punkten anderer Meinung sein als ich, so wie ich an einigen Punkten mit Paulus keine Deckungsgleichheit erziele. Ich meine: Das darf ich, und selbstverständlich darf auch der Leser meiner Zeilen den Apostel und seinen Brief anders verstehen und empfinden als ich. Ich will keinesfalls die Rolle des eben erwähnten Pastors Soundso einnehmen und von Ihnen verlangen oder erwarten, dass sie meine Worte einfach so hin- und annehmen.
Nur bitte tun sie sich – grundsätzlich und unabhängig von diesem Buch – einen Gefallen: Verstehen Sie Briefe in der Bibel als Briefe, nicht als Sammlung von Zitaten oder sonst etwas. Versuchen Sie, die Überschriften und Kapitelunterteilung in Ihrer Bibel zu ignorieren. Paulus hat Briefe geschrieben, nicht nummerierte Verse. (Daher finden Sie auch in den Textzitaten hier keine Verszählung, lediglich jeweils in Klammern am Schluss des Zitates die Quelle. Ich zitiere, wenn nicht anders vermerkt, die Revidierte Elberfelder Übersetzung.)
Schon die Tatsache, dass manche Kapitel mit »Denn…« oder »Daher…« anfangen, sollte ja den Bruchstückleser stutzig machen: da muss etwas vor diesem Satz stehen, worauf sich dieser Satz bezieht.

Wie kommt eigentlich jemand, der kein Theologe ist, auf die Idee, seine Gedanken und Empfindungen zu einem Brief in der Bibel als Buch zu verfassen? Noch dazu so, dass die Leser nicht Theologie, Griechisch oder historische Forschung studiert haben müssen, um den Text zu verstehen?
Ich bin nicht der einzige, der so etwas unternimmt. Für andere Autoren kann ich nicht sprechen, ich will Ihnen, liebe Leser, aber zumindest verraten, wie ich dazu komme.Nachdem mein Buch »Ich aber habe für dich gebetet« über das Gebet im Neuen Testament erschienen war, bekam ich von vielen Lesern sinngemäß zu hören: »Endlich einmal eine Herangehensweise, die jeder verstehen und nachvollziehen kann.« Einige rühmten mein schmales Werk sogar als bahnbrechend und einzigartig… nun ja, ich selbst würde es nicht so hoch ansiedeln, sondern – und das mag in der Tat einzigartig sein – es allenfalls als Prosa mit sachlichem Bezug bezeichnen. »Es liest sich wie ein Roman«, meinte ein Leser, und genau das war bei dem Buch über das Gebet und ist auch bei diesem mein Anliegen.
Ich halte grundsätzlich wenig von der Trennung in Sachbücher und Literatur. Die Bibel selbst ist ja kein Sachbuch, also warum muss ein Werk, das sich mit dem Inhalt der Heiligen Schrift beschäftigt, im Tonfall eines wissenschaftlichen Kommentars verfasst und im Regal mit den Sachbüchern zu finden sein? Eben. Es gibt keinen vernünftigen Grund. Jedenfalls ist dieses vorliegende Werk über den ersten Korintherbrief weder Sachbuch noch Erzählung, sondern einfach ein Text, der fragt: Unterscheidet sich die Gemeinde Jesu Christi heute eigentlich wesentlich von der Gemeinde, an die Paulus geschrieben hat? Oder anders formuliert: Was hat Paulus uns heute und hier zu sagen?
Die beiden uns erhaltenen Briefe des Apostel Paulus an die Gläubigen in Korinth sind, wie seine anderen Schriften, alles andere als nüchtern, abgeklärt oder langweilig. Sie sind vielmehr provokativ, spannend, leidenschaftlich und manchmal ganz schön kontrovers, wie wir am Beispiel des ersten Korintherbriefes sehen werden – vorausgesetzt der geschätzte Leser folgt mir durch diese Seiten.
In diesem Buch muss ich etwas tun, was ich an und für sich überhaupt nicht mag: Ich muss den Brief, den der Apostel geschrieben hat, in Stücke zerteilen. Ich bitte die Leser sehr eindringlich darum, niemals aus den Augen zu verlieren, dass wir es trotz der Unterteilung, die ich vornehme, mit einem Brief zu tun haben.Ein Brief wird normalerweise vom Beginn (»Liebe Tante Erna,«) bis zum Schluss (»Mit Gruß und Kuss, dein Julius«) gelesen. Zwischen Anrede und Gruß stehen je nach Anlass und Autor wenige oder viele Worte.Nehmen wir mal an, ein verliebter Jüngling schreibt der Herzallerliebsten einen Liebesbrief. Sie wird doch hoffentlich nicht auf die absonderliche Idee kommen, aus der dritten Seite die vierte Zeile von oben zu lesen, und daraus irgendwelche Schlüsse ziehen zu wollen?Genau das aber wird vielerorts und permanent mit der Bibel beziehungsweise ihren Teilen getan. Man fischt sich irgendwo einen Satz heraus, fügt einen zweiten aus einem ganz anderen biblischen Buch hinzu, und fertig ist die theologische Begründung für die abstrusen Ideen, denen man so häufig begegnet. Nicht selten werden solche abenteuerlichen Lehrgebäude von geistlichen Leitern, die eine theologische Ausbildung genossen haben, konstruiert. Die »normalen Schäfchen« überprüfen gar nicht, ob es sich überhaupt so verhält, wie es der geachtete Pastor Soundso verkündet. Die Christen sind – leider leider – häufig wieder so unmündig, wie es zur Zeit Martin Luthers üblich war, als die Bibel nur denen vorlag, die Latein oder Griechisch gelernt hatten. Viele Gläubige heute verlassen sich einfach blind auf das, was jemand auf der Kanzel so von sich gibt …
Deshalb werde ich nicht müde, immer wieder im Gespräch mit Menschen zu sagen und in meinen Texten zu schreiben, dass jeder Christ eingeladen ist und Gewinn daraus erzielen kann, selbst in der Bibel zu lesen und sie dabei so zu behandeln, wie man mit anderen Büchern auch umgeht. Ich würde jedenfalls niemals aus einem Roman irgendwo vier, fünf Sätze lesen und dann meinen, ich wüsste, worum es geht, was der Autor mir zu sagen wünscht und wie die Zusammenhänge aussehen.
Bücher wie dieses, das Sie nun in der Hand halten, sollen dabei helfen, die Zusammenhänge in den Blick zu bekommen und auch manches zu verstehen, was uns heute nicht mehr geläufig ist. Ich gehe mit dem Leser vom ersten Satz bis zum letzten Satz durch den Brief und erläutere dabei, was mir schwer verständlich scheint oder was mir besonders wichtig wird, immer mit dem Zusammenhang im Auge, den Paulus beim Schreiben oder diktieren sah.Das heißt nicht, dass ich recht habe. Ich kann und will nur das schildern, was ich selbst verstanden und empfunden habe. Sie, lieber Leser, mögen an ganz anderen Stellen hellhörig werden als ich. Sie werden in manchen Punkten anderer Meinung sein als ich, so wie ich an einigen Punkten mit Paulus keine Deckungsgleichheit erziele. Ich meine: Das darf ich, und selbstverständlich darf auch der Leser meiner Zeilen den Apostel und seinen Brief anders verstehen und empfinden als ich. Ich will keinesfalls die Rolle des eben erwähnten Pastors Soundso einnehmen und von Ihnen verlangen oder erwarten, dass sie meine Worte einfach so hin- und annehmen.
Nur bitte tun Sie sich – grundsätzlich und unabhängig von diesem Buch – einen Gefallen: Verstehen Sie Briefe in der Bibel als Briefe, nicht als Sammlung von Zitaten oder sonst etwas. Versuchen Sie, die Überschriften und Kapitelunterteilung in Ihrer Bibel zu ignorieren. Paulus hat Briefe geschrieben, nicht nummerierte Verse. (Daher finden Sie auch in den Textzitaten hier keine Verszählung, lediglich jeweils in Klammern am Schluss des Zitates die Quelle. Ich zitiere, wenn nicht anders vermerkt, die Revidierte Elberfelder Übersetzung.) Schon die Tatsache, dass manche Kapitel mit »Denn…« oder »Daher…« anfangen, sollte ja den Bruchstückleser stutzig machen: da muss etwas vor diesem Satz stehen, worauf sich dieser Satz bezieht.

Soweit die Vorrede. Weiterlesen kann man das Buch nach dem Download im entsprechenden Format hier: Zurück nach Korinth bei Feedbooks

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