Fakt ist, dass nicht zuletzt aufgrund Ihrer Veröffentlichung, nationale Agenturen das Ende der charismatischen Bewegung in Deutschland vermelden, was so ganz sicher nicht stimmt. Das ist eine absolute Falschmeldung, die dazu geeignet ist die bestehenden Gemeinden der Bewegung unter Druck zu setzen und sie der Orientierungslosigkeit preis zu geben. … Das würde heissen, dass die Gemeinden sich quasi auflösen und ihre Inhalte preisgeben für die sie gestanden haben und es die Bewegung so nicht mehr gibt. Das kann so nicht gemeint sein.
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Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr verzehntet die Minze, Dill und Kümmel, und laßt dahinten das Schwerste im Gesetz, nämlich das Gericht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Dies soll man tun und jenes nicht lassen. (Matthäus 23, 23)
»Dies soll man tun und jenes nicht lassen« wird oft als Beleg dafür angeführt, dass Jesus die Praxis des Alten Testamentes, den Zehnten in das Heiligtum zu bringen, auch für seine Nachfolger als gültig erklärt habe. Wenn man so argumentiert, muss man allerdings folgendes beachten:
Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen Jüngern und sprach: Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht handeln; denn sie sagen’s zwar, tun’s aber nicht. (Matthäus 23, 1-3)
So beginnt der Absatz, aus dem der eingangs zitierte Satz stammt. Aha. Wir sollen also alles tun und halten, was uns die Schriftgelehrten und Pharisäer sagen. Na prima. Und wo sind sie nun, die Schriftgelehrten und Pharisäer des Jahres 2009? Sind es die Pastoren und Ältesten, die Bischöfe und Pfarrer? Vermutlich würden diese Herren (und gelegentlich Damen) es nicht so gerne hören, wenn man sie als Pharisäer bezeichnet.
Man muss wohl schon den gesamten Abschnitt betrachten, statt ein paar Verse herauszureißen. Matthäus 22 und 23 haben damit zu tun, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten »Rat hielten, wie sie ihn (Jesus) in seinen Worten fangen könnten.« Dem Bericht des Matthäus zufolge hatte Jesus eine ganze Menge über die und zu den Pharisäern, Sadduzäern und anderen Anklägern zu sagen: »Ihr Schlangen, ihr Otternbrut!« »Ihr Heuchler.« »Ihr Narren und Blinden!« »Ihr verblendeten Führer, die ihr Mücken aussiebt, aber Kamele verschluckt!«
Dennoch sollten die Jünger Jesu das tun, was diese Leute sagten. Nämlich das Gesetz halten. Zum Gesetz gehört der Zehnte:
Alle Zehnten im Lande von Samen des Landes und von Früchten der Bäume sind des HERRN und sollen dem HERRN heilig sein. Will aber jemand seinen Zehnten lösen, der soll den Fünften darübergeben. Und alle Zehnten von Rindern und Schafen, von allem, was unter dem Hirtenstabe geht, das ist ein heiliger Zehnt dem HERRN. Man soll nicht fragen, ob’s gut oder böse sei; man soll’s auch nicht wechseln. Wird’s aber jemand wechseln, so soll’s beides heilig sein und nicht gelöst werden. (3. Mose 27, 30-33)
Zum gleichen Gesetz gehört auch diese Anweisung:
Wer des HERRN Namen lästert, der soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen. Ob Fremdling oder Einheimischer, wer den Namen lästert, soll sterben. Wer irgendeinen Menschen erschlägt, der soll des Todes sterben. Wer aber ein Stück Vieh erschlägt, der soll’s ersetzen, Leben um Leben. Und wer seinen Nächsten verletzt, dem soll man tun, wie er getan hat, Schaden um Schaden, Auge um Auge, Zahn um Zahn; wie er einen Menschen verletzt hat, so soll man ihm auch tun. … Es soll ein und dasselbe Recht unter euch sein für den Fremdling wie für den Einheimischen; ich bin der HERR, euer Gott. (3. Mose 24, 16-22)
Bitte nicht vergessen, unsere Anweisung lautet: »Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet.« Das Töten eines Lästerers gehört zweifellos dazu, denn es ist genau wie der Zehnte Teil des Gesetzes. Oder auch diese Anweisungen:
Wenn ein Mann bei einer Frau liegt zur Zeit ihrer Tage und mit ihr Umgang hat und so den Brunnen ihres Blutes aufdeckt und sie den Brunnen ihres Blutes aufdeckt, so sollen beide aus ihrem Volk ausgerottet werden. … Wenn jemand die Ehe bricht mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide des Todes sterben, Ehebrecher und Ehebrecherin, weil er mit der Frau seines Nächsten die Ehe gebrochen hat.
Ich meine, dass diese paar Ausschnitte aus dem Gesetz reichen sollten, um uns vor Augen zu führen: Wir tun nicht, was die Pharisäer und Schriftgelehrten sagen. Und das ist auch, mit Verlaub, gut so.
Paulus äußerte ganz andere Vorstellungen. Es verwarf den Zehnten und schrieb:
Ein jeglicher gebe nach seiner Willkür, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. (2. Korinther 9, 7)
Die Gemeinde Jesu Christi hatte sich schon zuvor darauf geeinigt, inwieweit das Gesetz des Alten Bundes für die Christen des Neuen Bundes gelten sollte:
Denn es gefällt dem Heiligen Geist und uns, euch weiter keine Last aufzuerlegen als nur diese notwendigen Dinge: dass ihr euch enthaltet vom Götzenopfer und vom Blut und vom Erstickten und von Unzucht. Wenn ihr euch davor bewahrt, tut ihr recht. Lebt wohl! (Apostelgeschichte 15, 28)
Daran hielt sich die Gemeinde Jahrhunderte lang. Der Zehnte wurde tatsächlich erst viel später wieder eingeführt. Im Alten Testament diente er dazu, die Leviten (die als Priester keinen Landbesitz hatten) zu versorgen und den Armen zu helfen. Als Papst Gregor im Jahr 722 den Zehnten wieder aufgriff, hatte er die gleiche Idee:
Aus den Einkünften der Kirche und den Opfergaben der Gläubigen soll er [Bonifatius] vier Teile machen: Einen davon soll er für sich behalten, den zweiten unter den Geistlichen verteilen, entsprechend ihrem Eifer in der Erfüllung ihrer Pflichten, den dritten Teil soll er an die Armen und Fremden geben, den vierten soll er aber für den Kirchenbau zurücklegen. (Bonifatiusbriefe)
Papst Zacharias sah das 748 ähnlich:
Was aber die Zehnten der Gläubigen betrifft, die in den Kirchen dargebracht werden, so soll es nicht im Belieben des Gebers liegen, sie zu verteilen. Denn die Satzungen der heiligen Väter bestimmen, dass daraus vom Bischof vier Teile gemacht werden sollen. … Daraus müssen nämlich die Almosen bereitgestellt werden, daraus muss der Kirchenbau und die Altarausstattung bezahlt werden … (Bonifaziusbriefe)
Nach der Reformation wurde der Zehnte dann zunächst in protestantischen Gebieten wieder abgeschafft, weil der Staat die Versorgung der Kirchen übernahm, inzwischen versorgt der Staat bekanntlich auch die katholischen Gemeinden.
Und da liegt nun der Hase im Pfeffer. Freikirchen und unabhängige Gemeinden werden vom Staat nur insofern unterstützt, als ihnen (meist) die Gemeinnützigkeit gewisse steuerliche Vorteile bringt, auch Spenden an sie sind steuerlich absetzbar. Also bleibt den freien Gemeinden und Kirchen ja gar nichts anderes übrig, als von den Gaben ihrer Mitglieder und Freunde zu leben. Das ist logisch, das kann jeder verstehen.
Es wäre daher ganz und gar richtig und nachvollziehbar, wenn die Verantwortlichen, genau wie in jedem anderen eingetragenen Verein oder Club oder was auch immer ihren Mitgliedern und Freunden sagen würden: »Wir haben diese und jene Kosten. Um sie zu decken, brauchen wir so und so viel Geld. Wenn Euch also unser Fortbestehen am Herzen liegt, dann entrichtet einen Mitgliedsbeitrag.«
Statt dessen wird vielerorts gepredigt, dass selbstverständlich der Zehnte gültiges göttliches Gesetz wäre. Es wird gar unterschwellig mit göttlicher Strafe in Form von Mangelerscheinungen, Armut und Misserfolg gedroht, falls der Gläubige es wagen sollte, nicht mindestens 10 Prozent seines Einkommens abzuliefern. Ausgerechnet der Halbsatz der Verneinung des Zehnten durch Paulus, dass Gott einen fröhlichen Geber lieb hat, wird bei der Opfersammlung zitiert: Wenn du jetzt nicht reichlich was in die Sammlung schüttest, dann mag Gott dich nicht. Ätsch!
Ich weiß nicht, ob die Finanzmisere mancher Gemeinden und Kirchen nicht etwas damit zu tun hat, dass auf die Gläubigen solch ein religiöser Druck, der oft genug in Manipulation und Angstmache ausartet, ausgeübt wird. Kann Gott eine Gruppe segnen, deren Führer sich solcher Mittel bedienen, um den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen? Vielleicht wäre es Gott angenehmer, ehrlich zu sagen: »Der Mitgliedsbeitrag beträgt 250 Euro im Monat, für Schüler, Studenten und Erwerbslose 80 Euro.« Oder was auch immer dem Bedarf angemessen sein mag. Vielleicht wäre dann die Geldnot mancher Gemeinde in Windeseile Vergangenheit? Wenn dem so wäre, dann könnte der Zehnte beziehungsweise die entsprechende Lehre mit Fug und Recht als Quelle der Armut gelten.
Ich höre schon beim Schreiben das häufige Argument mit Melchisedek und Abram.
Und Abram gab ihm den Zehnten von allem. (1. Mose 14, 18)
Zweifellos geschah dies, bevor es das Gesetz gab. Diese Geschichte belegt aber lediglich, dass Abram ein einziges Mal in seinem Leben den Zehnten gab. Das ist nicht sonderlich viel. Und Melchisedek gab ihm sofort einen Teil zurück, weil er sowieso schon reich genug war. Also taugt das Beispiel absolut nicht als Argument für die Beibehaltung des Zehnten.
Nun meine ganz persönliche Erfahrung: Seit wir reichlich von unserem Einkommen austeilen, an Gemeinde, christliche Werke, in Not geratene Menschen jeglichen Glaubens oder Unglaubens, und zwar nicht zehn Prozent, sondern gelegentlich bis zu 50 Prozent, fließt uns durch unsere Arbeit und darüber hinaus mehr Geld zu, als jemals zuvor.
Das klingt völlig unlogisch und unvernünftig, aber so ist es nun mal. Wir haben vor einigen Jahren nicht angefangen, »Almosen« und Spenden zu geben, um dadurch zu Geld zu kommen, so wie es in manchen Gemeinden leider auch versprochen wird. Sondern weil wir Gott einfach dankbar waren und sind für das, was er uns alles geschenkt hat. Was wir austeilen, geben wir gerne, freiwillig, mit Freude und aus Dankbarkeit. Und Gottes Taschen sind offenbar voll genug, um uns weiter und immer mehr zu beschenken. Dadurch sind wir wiederum in der Lage, noch mehr auszuteilen. Das macht einfach Spaß, ehrlich!
Es leite aber bitte niemand daraus ein Rezept oder eine Regel ab. Das sei ferne! Wer nichts oder nicht viel hat, der wird von Gott nicht weniger geliebt als jemand, der finanziell gut versorgt ist. Segen Gottes ist nie und nimmer gleichbedeutend mit Überfluss und Wohlstand.
So etwas zu behaupten, wäre eine dreiste Lüge. Es hieße ja, dass Paulus von Gott nicht geliebt wurde, nicht gesegnet wurde, denn Paulus litt Hunger, fror, er arbeitete hart und oft reichte das Geld trotzdem nicht für das Lebensnotwendige. Auch die Gemeinde in Jerusalem, für die der Apostel landauf landab Geld sammelte, weil die Mitglieder verhungerten, wäre demnach außerhalb des göttlichen Segens gewesen. Welch ein Unsinn!
Zweifellos gibt es Menschen in den biblischen Berichten und auch heute, die von Gott reichlich mit Wohlstand gesegnet werden. Das ist wunderbar und hoffentlich dient dieser Finanzsegen dazu, denen zu helfen, die nichts oder wenig haben. Aber das Einkommen zum Maßstab des göttlichen Segens oder seiner Liebe zu machen, wäre ein fürchterliches Verbrechen an den Seelen derer, denen es wirtschaftlich nicht gut geht.
Daher darf es nicht ohne Widerspruch bleiben, wenn jemand behauptet, der Zehnte wäre obligatorisch für Christen und wer reichlich Geld in die Gemeindesammlung gibt, würde zu materiellem Wohlstand gelangen.
Der Zehnte ist womöglich notwendig, um Gebäude und Gehälter zu finanzieren, aber da wäre doch ein Mitgliedsbeitrag ohne religiösen Druck die ehrlichere Alternative – finde ich zumindest.
- Quellen: Der Zehnt (Wikipedia) und Die Bibel (Allgemeingut)
- Anstoß zu dieser Streitschrift: Cooles Argument
- Illustration: sxc.hu
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Kürzlich wurden nach dem Mahl bei Freunden Wassermelonen gereicht. Ich lehnte wie immer, wenn mir ein solches Angebot begegnet, dankend ab, denn ich esse keine Wassermelonen. Auch nicht rund 40 Jahre danach …
Wir waren zum ersten Mal anlässlich der Ferien ins Ausland verreist. Ich war wohl zehn Jahre alt, womöglich auch etwas jünger oder älter, aber nehmen wir einmal an, dass mich die Erinnerung nicht allzu sehr trügt. Im Grunde spielt es auch nicht unbedingt eine entscheidende Rolle. Wir waren zur Mittagszeit in Italien angekommen, mein Bruder und ich teilten uns das eine, meine Mutter und Großmutter das andere Zimmer einer Ferienwohnung in einem kleinen Ort am Lago di Caldaro. Vor uns lagen, meinte ich, fünf abenteuerliche Tage. Nachdem die Koffer ausgepackt waren, unternahmen wir einen nachmittäglichen Spaziergang, um die nähere Umgebung zu erkunden.
Unweit des Ufers war Aufregendes zu sehen. Ein Lastwagen lag umgekippt im Straßengraben, an und für sich schon Grund genug für einen abenteuerlustigen Jungen wie mich, sich mit Begeisterung dem Ort des Geschehens zu nähern. Vom Fahrzeug hatte sich auf einen Teil der Straße und den Rand des daneben liegenden Weinberges eine Flut von Wassermelonen ergossen, meist unversehrt, nur zum Teil aufgeplatzt oder zerquetscht.
Einige Einheimische betrachteten im Schatten eines Baumes stehend das Spektakel, das die Kinder aus dem Dorf veranstalteten. Diese sammelten Melonen in gewaltige Körbe, wobei sie jedoch auch den herzhaften Biss in die eine oder andere Frucht nicht verschmähten. Ein paar Polizisten sahen, an ihr Fahrzeug gelehnt, zu und kommentierten aufmunternd das Geschehen. Zumindest meinte mein Bruder, dass dies der Inhalt ihrer Zurufe und Bemerkungen sei, und mein Bruder, drei Jahre älter als ich, wusste meist das meiste viel besser als ich. Er hatte sich auf diese Reise schon zu Hause vorbereitet, indem er ein Taschenbuch mit den gebräuchlichsten italienischen Redewendungen aus der Bücherei ausgeliehen und dieses ausgiebig studiert hatte. Außerdem war er der Klassenbeste in Latein – er meinte, das reiche zusammen mit dem Reiseführer, um in Italien zumindest alles zu verstehen und das meiste ausdrücken zu können. Er konnte tatsächlich schon bei der Anreise für die ganze Familie Wegbeschreibungen, Hinweistafeln und diese oder jene Bemerkung Mitreisender übersetzen.
Ein Traktor kam über einen Feldweg, auf dem Anhänger lagen weitere leere Körbe. Der Fahrer rief uns etwas zu, was mein Bruder erwartungsgemäß verstand.
»Wir sollen beim Aufsammeln helfen«, erklärte er.
Das ließ ich mir nicht zwei Mal sagen. Ich schnappte mir einen Korb und begann mit dem Auflesen. Als der Behälter voll war, brachte ich ihn, wie es die anderen Kinder taten, zurück zum Anhänger. Dort wurde er von einem fröhlichen Mann auf die Ladefläche entleert und zurückgereicht.
Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, mir während der Arbeit fleißig den Bauch mit beschädigten Melonen zu füllen. Ohne Unterlass. Mein Bruder meinte nach einer Weile: »Hör auf zu essen, sonst wird dir schlecht.« Natürlich wusste ich es besser, es war ja mein Magen, nicht seiner.
Eine halbe Stunde später war der Anhänger gefüllt. Der Bauer, der den Traktor steuerte, sagte etwas, was ich nicht verstand. »Wir dürfen«, dolmetschte mein Bruder, »vom Rest mitnehmen, so viel wir tragen können.«
Mir war bereits etwas merkwürdig zumute, vom Bauch her breitete sich ein Gefühl aus, das ich nicht sonderlich schätzte. Aber andererseits gab es bei uns zu Hause kaum einmal frisches Obst so viel man wollte, da unsere Haushaltskasse durch die Teilzeittätigkeit meiner Mutter nur unzureichend gefüllt wurde. Also aß ich noch ein paar Stücke und schichtete mir dann so viele Melonen aufeinander, wie ich mit den Armen halten konnte. Meine Beute brachte ich im Zimmer der Pension erst einmal in Sicherheit.
Ich warf die Früchte auf mein Bett und rannte zur Toilette. Ich wusste nicht, was ich zuerst tun sollte: Die Hosen herunter oder den Mund über die Kloschüssel, denn beides war äußerst dringlich. Ich entschied mich, dass die volle Hose die unappetitlichere Alternative wäre und saß kaum, als auch schon die Bescherung aus beiden fraglichen Körperöffnungen entwich.
Ich will den geschätzten Lesern die Details der nächsten halben Stunde ersparen. Jedenfalls lag ich danach ziemlich bleich und kraftlos im Bett. Dort blieb ich auch die nächsten Tage, wenn ich nicht gerade im Badezimmer war.
Ein Arzt hatte nach mir geschaut, einer mit Deutschkenntnissen. Fiebermessen, Bauch abhören, Kopfschütteln. Und womöglich, ganz sicher war ich nicht, ein mühsam unterdrücktes Grinsen, jedenfalls presste er die Lippen etwas auffällig zusammen, als ich berichtete, dass ich wohl insgesamt so etwa 10 oder mehr Melonen verspeist hatte. Auf relativ nüchternen Magen. Und dann, als es mir ein wenig besser ging nach drei Stunden im Bett, noch mal zwei aus meiner Beute.
Er murmelte etwas, was wie »stolto bambino« klang, und erklärte, was »riposo a letto« für meine Ferienwoche bedeutete. Er behielt leider recht. Erst am Abend vor der Abreise wichen Dauerdurchfall und Dauerübelkeit. Selbst Zwieback und Tee vertrugen sich in jenen Tagen des italienischen Abenteuers nicht sonderlich gut mit meinen Innereien.
Kürzlich, etwa 40 Jahre später, wurden nach dem Mahl bei Freunden wieder Wassermelonen gereicht. Ich lehnte wie immer dankend ab, denn ich esse keine Wassermelonen.
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Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr verzehntet die Minze, Dill und Kümmel, und laßt dahinten das Schwerste im Gesetz, nämlich das Gericht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Dies soll man tun und jenes nicht lassen. (Matthäus 23, 23)